Das Interview: mit Heike Brillmann-Ede, Lektorin und Leseagentin

Die Lektorin und Leseagentin Heike Brillmann-Ede hat den Stammtisch der Spreeautor*innen besucht. Dort haben wir ihr einige Fragen gestellt.

© privat

Spreeautoren: Liebe Heike, du bist seit 25 Jahren Lektorin und hast schon in vielen tollen Verlagen gearbeitet. Vor einigen Jahren hast du eine Leseagentur gegründet. Wie kam es dazu?

HBE: 2013 bin ich nach Berlin gezogen und habe bei Ueberreuter als Programmleiterin gearbeitet. Sechs Monate später wurde der Verlag verkauft und gleich drei Leuten gekündigt, auch mir. Nach diesem kurzen Gastspiel (und aus anderen Gründen) hatte ich erst mal die Nase voll und hab ein Sabbatical eingelegt.

2015 dann die Leseagentur als eine von drei Berufssäulen. Ich bin gleich groß gestartet: hab eine Website in Auftrag gegeben, Briefpapier und Flyer drucken lassen, unendlich viele Adressen (Schulen, Bibliotheken, Lesefeste) angeschrieben (Briefpost!), meine Autor*innen und mich vorgestellt. Dann gab es ein Problem mit der KSK, da das Vermitteln von Lesungen nicht zu den kreativen Berufen gehört. Da ich von der KSK abhängig bin, musste ich umschichten: ca. 20 % Leseagentur, ca. 80% Lektorat und Rezension.

Spreeautoren: Wie ging es weiter mit der Leseagentur?

HBE: Die Leseagentur ist sehr zusammengedampft auf wenige Namen. Weitere Anfragen von Autor*innen kann ich leider nicht annehmen, sonst hätte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich mich nicht genügend kümmern kann.

Für die Agentur hatte ich im Übrigen Patinnen: Sabine Fecke (Stuttgart) und Pia Mortensen (Marschacht bei Hamburg), die mich sehr unterstützt haben. Von Sabine habe ich zudem den Autorenvertrag übernommen. Wir nehmen im Schnitt 20 %/Lesung und für Workshops 10% auf der Basis des Nettohonorars. Bei Lesereisen, die wir anstoßen, aber z.B. von Bibliotheken organisiert werden, reduziert sich das Honorar auf 10%/Lesung.

Spreeautoren: Warum macht ihr eine Unterteilung bei den Prozenten?

HBE: Bei Workshops habe ich das Gefühl, dass noch mehr eigene Arbeit reingesteckt wird. Auch eine Lesung ist anstrengend, ein Workshop von 4 Stunden umso mehr.

Spreeautoren: Ist es nicht praktisch, dass es Leseagenturen gibt, weil dann Schulen genau wissen (auch dank Agentur- Website) welche/n Autor*in sie buchen können, für welche Klasse, mit welchem Buch?

HBE: Ja! Aber es spielt auch eine Rolle, wo die Autor*innen wohnen, ob Fahrt- oder Hotelkosten hinzukommen. Manche Schulen oder Bibliotheken finden es schon schwierig, eine Lesung von 250,- Euro zu stemmen. Oft haben sie keinen Förderverein.

Spreeautoren: Wie machst du das? Bestückst du alle Veranstalter individuell, oder hast du einen Newsletter?

HBE: Nein, ich habe keinen Newsletter. Ich schreibe individuell an (nur noch digital), versende meine Waschzettel, auch mal eine Rezension, ein Interview. Wenn ich für eine neue Autorin eine Lesung akquiriert habe, versuche ich, noch andere Lesungen drumherumzustricken. Dadurch verringern sich die Zusatzkosten/Veranstalter, und auch für die Autorin lohnt es sich mehr.

Spreeautoren: Übernimmst du die Organisation der Reisen und Hotels?

HBE: Nein, das machen die Veranstalter, aber ich erstelle einen Lesevertrag. Darin steht z.B. der Termin und dass bis 4 Wochen vor dem Termin abgesagt werden muss, sonst können Ausfallkosten entstehen. Wenn die Autorin z.B. wegen höherer Gewalt nicht kann, dann versuchen wir natürlich, einen neuen Termin hinzukriegen. Im Lesungsvertrag finden sich alle Adressdetails, die notwendige Technik, das Lesealter, das Honorar. Veranstalter können sich nach der Unterschrift auch direkt an die Autor*in wenden.

Spreeautoren: Eine Leseagentur, die sich richtig trägt, braucht Autor*innen, die viel unterwegs sein können. Wenn man eine Familie hat oder zwischendurch schreibt, fällt man mitunter teilweise aus. Oder?

HBE: Ja, das stimmt. Es ist sicher nicht leicht, von der Leseagentur zu leben; eigentlich betreibt jede von uns eine Mischkalkulation: macht noch Pressearbeit, organisiert städtische Lesefeste vorort, lektoriert Bücher. Reich werden kann man davon nicht.

Spreeautoren: Ist dein Eindruck auch, dass sich die Autor*innen heute viel stärker selber für sich einsetzen müssen?

HBE: Ich hab die Umbruchzeit in den Verlagen erlebt, wo es auf einmal hieß, ab jetzt konzentrieren wir uns auf die sog. Leuchtturmtitel, stecken dort Werbebudget rein, machen für sie Platz in den Vorschauen. Das kommt nicht aus den Lektoraten; Marketing und Vertrieb haben zusehends Mitspracherecht.
D.h. auch, die Lektorate machen das Programm nicht mehr eigenständig. Es wird auf viele Schultern verteilt. Inhaltlich, äußerlich, in der Ausrichtung. Ich kenne noch die Beschränkung auf das gemeinsame Diskutieren der Coverentwürfe mit Marketing, Vertrieb, Presse. Wobei ich die Stimme der Presseabteilung als sehr sinnvoll erlebt habe; die Kolleg*innen lesen manchmal schon im Manuskriptstadium, bringen sich inhaltlich ein. Ihr Blick ist ein anderer, z.T. individueller oder wagemutiger als in den anderen Abteilungen, so meine Erfahrung.

Es gibt inzwischen eine Verschiebung des Kreativpotenzials von den Lektoraten zu denjenigen, die das Buch als „Produkt“ bezeichnen. Es heißt ja heute auch nicht mehr Lektorin, sondern „Produktmanagerin“.

Spreeautoren: Und was würdest du dagegensetzen? Wie soll man als Autor*in/Illustrator*in damit umgehen?

HBE:

Meine Botschaft ist:
Bleib dir treu, hör auf dein Bauchgefühl.

 

Man muss oft Auftragsarbeiten annehmen, Kompromisse schließen. Aber das, wofür das Herz brennt, da kann man sich nicht zu viel reinreden lassen. Denn es geht um das eigene Profil, die Unterscheidbarkeit.

Spreeautoren: Hast du auch die Wahrnehmung, dass es in den großen Verlagen niemanden mehr gibt, der ein richtiges Gefühl hat für die eigentlichen Geschichten der Autor*innen?

HBE: Ich habe letztens mit einer arrivierten Autorin gesprochen; sie hatte zwei Angebote für ihr Jugendbuch und wollte von mir einen Rat haben. Ihr Agent empfahl ihr ausdrücklich den Verlag, der den höheren Vorschuss bot . Der andere Verlag bot eine niedrigere Vorauszahlung, aber mehr Prozente. Ich habe gefragt, wie die Verlage ihren Titel positionieren würden. Gibt es in der Vorschau z.B. eine Doppelseite? Wie will sich der Verlag mittel- bis langfristig engagieren? Das eigene Buch sollte ins Umfeld eines Programmes passen. Sticht ein Titel zu sehr heraus, kann es auch für die Vertreter*innen „draußen“ schwierig werden, weil der Buchhandel einen solchen Titel in solcher Aufmachung vielleicht nicht von diesem Verlag erwartet hat — und ihn in der Vorschau überblättert.

Es gibt ca. 9000 Veröffentlichungen im Kinder- und Jugendbuch. Jährlich. Das ist völlig verrückt. In allen Verlagen, in denen ich bisher gearbeitet habe, hieß es: Der Titelausstoß ist absurd. Es gibt Verlage, die haben schon teure Unternehmensberatungen finanziert. Jeder Titel wurde geprüft, ob er sich amortisiert, denn die Masse amortisiert ja nicht das einzelne Buch. Dann reduzierte man die Titelanzahl und war nach 5 Jahren doch wieder beim gleichen Ausstoß. Der Drang v.a. größerer Verlagen, jede erdenkliche Nische zu besetzen und dabei die Profilschärfe, die Varianz und v.a. den Mut, Neues auszuprobieren, außer Acht lassen, ist seit Jahren zu beobachten.
Dabei gilt: Ein Verlag ist ein Wirtschaftsunternehmen. Dass ich als Lektor*in kalkulieren muss, ist klar. Dafür gibt es Kalkulationsformulare mit ein paar Stellschrauben, an denen ich drehen kann wie Honorar (Vorauszahlung + Prozente), Auflage, Ladenpreis.
Druckpreis, Papier usw. liegen in der Hand der Herstellung, mit der ich als Lektor*in im Gespräch bin.

Spreeautoren: Hast du das Gefühl, das nicht mehr auf die Inhalte, sondern nur noch auf die Zahlen geguckt wird?

HBE: Meine Erfahrung ist, dass das intensive Lektorieren oft in der Freizeit stattfindet.
Es kommt vor, dass z.B. Übersetzungen unlektoriert durchgewunken werden, ein Cover genehmigt wird, ohne dass die Illustrator*in einbezogen wurde.
Die Schnelligkeit hat angezogen, Stellen werden gestrichen. Das „Heer“ der freien Lektor*innen wächst.

© Constanze Guhr

Es sieht aber nicht nur düster aus, es gibt nicht nur Marktbereinigung z.B. durch den Kauf von Verlagen oder Imprints (die dann eingestellt werden). Es gibt auch Verlage, die feiern beherzt und munter Jubiläen.

Es gibt Neugründungen. Hier ein paar Beispiele aus dem Bilder- bis Jugendbuch. Verlage, die jetzt um die 10 Jahre alt sind und ziemlich individuell:
Stuart & Jacoby, Berlin: Sie brennen für das ungewöhnliche Buch.
Einen ganz kleinen, feinen Verlag hat Susanne Rieder in München.
Dort gibt es natürlich Tulipan oder auch Mixtvision.
Aracari, ein Schweizer Verlag. Auch Orell Füssli und atlantis sitzen in der Schweiz.

Es lohnt sich, in Leipzig über die Messe zu gehen und sich die Programme auch der kleinen Verlage anzugucken. Wertvoll ist immer die Buchmesse in Bologna, riesig natürlich weiterhin die Messe in FFM.

Spreeautoren: Was glaubst du, wo es hingeht? Im Moment zittern die Verlage alle und trauen sich wenig.

HBE: Gezittert wird seit Jahren. Die Digitalisierung schreitet voran, Amazon & Co. gräbt das Wasser ab. Verlage erweitern oder reduzieren ihre Programme, besinnen sich auf ihre Stärken, geben deutschsprachigen Autor*innen in Text und Bild vermehrt Chancen.
Andere beleben ihre Klassiker neu. So hat Thienemann in Stuttgart Wieland Freund gebeten, eine Geschichte von Michael Ende fortzusetzen. Und Otfried Preußlers Räuber Hotzenplotz spülte dieses Jahr besonders viel Geld in die Kasse. Das lässt einen Verlag erst mal durchatmen, die Arbeitsplätze sind für eine Zeit gesichert. Zu hoffen ist, dass auch mutigere Projekte finanziert werden.
Ich denke, es ist ein Trugschluss, durch Titelausstoß den Gewinn maximieren zu können. Was man auch weiß. Denn es geht zu Lasten von Profil & Qualität, von Festangestellten & Kreativen. Ich habe erfahren, wie diese Binnenstruktur zwischen Lektor*in und Autor*in (Text + Bild) leidet und auf der Strecke bleibt. Dieses Miteinanderaushecken von Ideen, das Vertrauen, das sich über Jahre aufbaut, die kreative Entwicklung. Unterschätzt wird auch die „Werbung“, die zufriedene Kreative fürs Haus machen — bei ihren Veranstaltungen, in ihren Netzwerken.

Spreeautoren: Kannst du uns noch etwas über die Autorenberatung der Lettrétage erzählen?

HBE: Die Lettrétage in Kreuzberg (www.lettretage.de) baut ein Netzwerk von Berater*innen auf, die zu verschiedensten Bereichen Auskunft geben können: KSK, Agenten, VG Wort, Verlage, Selfpublishing etc. So auch im Kinder- und Jugendbuch.
Sie stellen einen Raum zur Verfügung und buchen einen für den ganzen Tag. Bis zu 8 Termine hintereinander mit einer Pause, pro Termin 45-60 Minuten. Meist liegen die Fragen der Interessierten bereits vor, sodass du dich auf Themen vorbereiten kannst. Doch es gibt auch ganz Spontane. Eine junge Autorin erzählte mir kurz den Plot, dann sagte sie plötzlich: „Jetzt lesen Sie doch mal meine ersten Seiten, ob ich so auf dem richtigen Pfad bin.“ Das hat mich etwas überfordert, aber ich konnte mich nicht drum drücken. Eine komische Situation, denn ich lese sonst ohne Ablenkung und allein. Dann hatte ich aber schnell das Gefühl, die Schreibe passt, die Hauptfigur, die Szenerie. Wir sprachen noch über die Ausformung von Dialogen, wie wichtig der Spannungsbogen ist etc. Ich fand´s anspruchsvoll und prima.

Spreeautoren: Vielen Dank für deinen Besuch.

Heike Brillmann Ede arbeitet als freie Lektorin, Rezensentin und Leseagentin in Berlin. Man findet sie im Netz unter: www.heike-brillmann-ede.de

Bundeskongress Kinderbuch – Das Netzwerk wächst

 von Angela Bernhardt

Manche Ideen brauchen Zeit zum Wachsen, andere schlagen sofort ein. Wie die Netzwerkidee. Im Frühjahr 2017 auf der Leipziger Buchmesse gegründet, tagte der Bundeskongress Kinderbuch im Oktober 2018 in Frankfurt schon zum vierten Mal. Was online begann, wollten wir, die deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchautorinnen und -autoren nun auch offline umsetzen: uns in einem eigenen Netzwerk von Angesicht zu Angesicht austauschen. Über alles, was mit unserer Arbeit zusammenhängt. Die Situation des deutschen Buchmarkts zum Beispiel, unsere Zusammenarbeit mit Verlagen und Agenturen, Vorschüsse, Lesungshonorare, die Klippen der Freiberuflichkeit, Erfolge und Misserfolge und vieles mehr. Jede/r deutschsprachige Autor/in, die/der mindestens ein eigenständiges Kinder- oder Jugendbuch in einem bei der avj gelisteten Verlag veröffentlicht hat, ist uns willkommen und auf unserer Website www.bundeskongress-kinderbuch.de vertreten. Über 170 Autorinnen und Autoren sind wir inzwischen schon, und es werden immer mehr.

Doch wir kochen nicht im eigenen Saft. Nachdem wir im Frühjahr in Leipzig Vertreterinnen und Vertreter deutschsprachiger Kinderbuchverlage eingeladen hatten, sich mit uns auszutauschen und viele von ihnen der Einladung auch gefolgt sind, war diesmal der Unternehmensberater Ehrhardt Heinold bei uns zu Gast. Über die Zukunft des Lesens, des Schreibens und des Buchhandelsmarkts ist sicher selten in kurzer Zeit so informativ berichtet worden wie von ihm.

Seine Analyse der aktuellen Situation: Die Konkurrenz für das gedruckte Buch durch neue Medien ist gewachsen, denn das Mehrangebot an Geschichten (zum Beispiel Stichwort Netflixserien) verknappt die für das einzelne Medium verfügbare Zeit.

Und doch wird auf dem Kinderbuchmarkt nach wie vor stark auf Masse gesetzt. Über 9.000 deutschsprachige Kinder- und Jugendbuchtitel bringen die Verlage jährlich auf den Markt, wohl wissend, dass ein Großteil davon sehr schnell wieder in der Versenkung verschwindet. Das Marketing konzentriert sich immer stärker auf einzelne Spitzentitel, der Rest wird dementsprechend im Buchhandel kaum wahrgenommen. Nur kleine, inhabergeführte Buchhandlungen mit eigenem Konzept steuern dagegen, aber ihre Zahl ist in den letzten fünf Jahren um etwa 2.000 geschrumpft. Was wächst, sind die großen Ketten. So machen 10 % der Buchhandlungen zwei Drittel des gesamten Umsatzes. Erstaunlicherweise ist dieser Umsatz in den letzten 15 Jahren weitgehend stabil geblieben. Der Grund sind allerdings nicht mehr Buchverkäufe sondern gestiegene Buchpreise.

Über 7 Millionen Buchkäufer weniger gibt es seit 2012, und dabei liegen die stärksten Einbrüche interessanterweise nicht bei der Jugend, sondern bei den 30- bis 50-jährigen, das heißt bei den Eltern der Kinder, die lesen sollen. Das gesamte Medienzeitbudget der Bevölkerung ist seit Jahren relativ konstant, aber die Mediennutzung hat sich stark zugunsten von Smartphone, Gamesmarkt und Homevideo verändert.

Heinolds hoffnungsvolles Fazit: Das Buch als Medium mag sich im Abwärtstrend befinden, das Geschichtenerzählen und damit auch die Erzähler/innen werden jedoch immer gebraucht, weil sie ein menschliches Grundbedürfnis erfüllen.

Die Frage ist künftig also verstärkt, wie, in welcher Form und auf welchen Wegen wollen wir unsere Geschichten veröffentlichen? Wir sind diejenigen, die mit zahlreichen Lesungen übers ganze Jahr am dichtesten dran sind an unserem Publikum. Nutzen wir diese Chance und unser Netzwerk, um auf diese zentrale Frage kreative, zeitgemäße Antworten zu finden.

Ein weiterer wichtiger Programmpunkt des 4. Bundeskongresses waren die Berichte aus den regionalen Kinderbuchnetzwerken in Köln, München, Hamburg, Hessen, Oberfranken und Berlin. Mit originellen Ideen und Veranstaltungen treiben engagierte Kolleginnen und Kollegen den Netzwerkgedanken innerhalb der gesamten Branche auch auf dieser Ebene voran.

Was wir von diesem intensiven Treffen noch mitgenommen haben, sind Buttons mit der Aufschrift „Kinderbuchautor/in für Vielfalt und Toleranz“. Wir haben sie auf der Buchmesse getragen und tragen sie weiter bei Lesungen und anderen Veranstaltungen, um auch gesellschaftspolitisch Flagge zu zeigen.

Ab 2019 tagt der Bundeskongress nur noch einmal jährlich während der Frankfurter Buchmesse. Bis dahin werden wir uns austauschen, neue Kontakte knüpfen, Pläne schmieden, Aktionen realisieren, vorlesen und natürlich weiter schreiben. Fest steht: Wir sind viele, wir haben Power, wir unterstützen uns gegenseitig und wir denken nach vorn!

         

10 Fragen an unsere SpreeautorInnen

© Martina Wildner

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Name: Martina Wildner
geboren in:  Obergünzburg (Allgäu)
seit wann in Berlin: 2003
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1. Was sind die drei Lieblingsbücher deiner Kindheit?

Das fliegende Klassenzimmer, Dolly (Enid Blyton), Caius, der Lausbub aus dem alten Rom.

2.  Wie kam es zu deinem Berufswunsch AutorIn – und wie bist du es geworden?

Ich wollte nie Autorin werden, denn ich konnte mir nicht vorstellen, mal 100 Seiten zu schreiben. Ich wollte Sportlerin oder Malerin werden. Doch dann wurde mein literarisches Talent von Joachim Gelberg (Beltz & Gelberg) entdeckt. Jetzt schaffe ich auch 100 Seiten oder mehr.

3. Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?

Auf meinem Schreibtisch stehen immer eine Tasse Kaffee, der Bildschirm mit Tastatur und eine Lampe. Die Schreibtischplatte hat Sperrholzkrebs, und es liegen eine GPS-Laufuhr, ein Grafikpad, Aufkleber, Rechnungen, ein Taschenrechner, ein Geodreieck, der Kalender, ein Schmierblock, ein Klebestift, verbrauchte BVG-Fahrkarten und Schulsachen meiner Kinder darauf herum.

© Foto: Martina Wildner

4. Wann kommen dir die besten Ideen?

Beim Schreiben selbst und beim Putzen.

5. Wie sollen die HeldInnen deiner Kinderbücher vor allem sein?

Ehrlich.

6. Träumst du manchmal von deinen Figuren? Und wie heißt deine Lieblingsfigur?

Neulich hab ich mal geträumt, Hendrik (aus „Das schaurige Haus“) zu sein. Das war aber das erste Mal. Meine Lieblingsfigur ist Karla (aus „Königin des Sprungturms“).

7. Wem liest du als Erstes deine Texte vor?

Ich gebe sie meinem Lektor.

8. Machst du Lesungen oder Workshops mit Kindern? Fällt dir dir dazu ein Erlebnis ein?

Einmal habe ich von Nacktschnecken vorgelesen, da musste ein Kind kotzen. Wir mussten darauf das Zimmer räumen, weil es so gestunken hat, und woanders weiterlesen. Es stellte sich heraus, dass das Kind einen Infekt hatte.

9. Was sollte sich in der Kinderbuchbranche grundlegend verbessern?

Es sollte ausschließlich mich als Autorin geben;-).

10. Wie hieß das erste Kinderbuch, das von dir erschien, und was ist deine jüngste Neuerscheinung auf dem Buchmarkt?

Mein erstes Buch hieß „Liebe Isolde“. Es war ein Misserfolg. Mein neuestes heißt „Die unheimliche Krähe am See“. Den Erfolg kann ich noch nicht absehen.

Coverillustration: Anke Kuhl

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Auf Bildungs(politik)reise in Finnland

von Salah Naoura

Im September dieses Jahres wurde mir recht spontan die Ehre zuteil, den Bundespräsidenten und seine Frau als Teil der Delegation beim Staatsbesuch nach Finnland zu begleiten. Jenny Haukio, die finnische First Lady (die auch dichtet), hatte den Wunsch geäußert, mit Präsidentengattin Elke Büdenbender und Kinderbuchautoren beider Länder über Lesekrise und Bildungspolitik zu sprechen – auch bei den Finnen, man glaubt es kaum, lesekriselt es in letzter Zeit, trotz guten Abschneidens bei der PISA-Studie. So kam es dazu, dass ich mit Timo Parvela („Ella“), Dieter Hermann Schmitz („Die spinnen, die Finnen“) und den beiden First Ladies im Literaturhaus Helsinki über eben diese Themen sprechen durfte.

Um es gleich vorwegzunehmen: Ich war enttäuscht. Die Redezeit war auf eine Stunde begrenzt, von der die Gastgeberin des Literaturhauses, angeblich unsere Moderatorin, mindestens zwanzig Minuten für sich beanspruchte, um ausführlich ihre Arbeit vorzustellen. Dann waren wir an der Reihe. Timo Parvela propagierte eine stärkere Verknüpfung von Buchprojekten mit den neuen Medien. Ich sagte, man müsse in unserem verplanten Alltag erst mal wieder Zeiten des „Müßiggangs“ schaffen, wenn man möchte, dass Menschen lesen. Und Dieter Schmitz war dann doch nicht an der Reihe, sondern wurde übergangen.

Das Reisen in einer Kolonne ist gewöhnungsbedürftig und die Aufenthalte sind eng getaktet. Das hastige Verlassen und Besteigen der Fahrzeuge nimmt (jedenfalls gefühlt) mehr Zeit in Anspruch als die eigentlichen Termine. Inhaltlich Gehaltvolles darf man daher nicht erwarten.

Was ist mein Fazit dieser Reise? Erstens, dass hierarchische Gefüge immer schlecht sind, um zielorientiert zu sprechen. Wenn man nicht auf Augenhöhe diskutiert und – wie im Fall unserer Moderatorin – die Notwendigkeit empfunden wird, sich vor hohen Gästen zu profilieren, kommt wenig dabei raus. Zweitens, dass die Finnen wirklich Sinn für Humor haben. Alle, mit denen ich sprach. Als Frank-Walter Steinmeier sein Namensgedächtnis verließ und er mich dem finnischen Präsidenten mit einem lapidarenWie heißen Sie noch mal?“ vorstellte, sagte ich meinen Namen selber auf und erklärte dazu, dass ich häufig für einen Finnen gehalten würde, obwohl ich zur Hälfte Araber bin. Niinistös Antwort: „Na, das ist ja fast dasselbe.“ Drittens, dass die Finnen in Sachen Bildungspolitik wirklich begriffen haben, worum es geht: „Nach unserer Auffassung sind wir alle für unsere Kinder zuständig“, sagt Tarja Aurell von der Deutschen Schule Helsinki. „Nicht nur die Eltern oder nur die Lehrer. Die ganze Gesellschaft. Weil Kinder unsere Zukunft sind.“

Eine gesamtgesellschaftliche bildungspolitische Initiative bräuchten wir auch in Deutschland. Und das geht nicht, ohne die Länderhoheit zu beschneiden und den Bund stärker zu beteiligen. Folgerichtig hat das Parlament nun endlich eine Änderung des Grundgesetzes beschlossen, das die Lockerung des sogenannten „Kooperationsverbotes“ ermöglichen wird, um eine schnellere Digitalisierung der Schulen zu erreichen. Zukünftig darf der Bund nun nicht nur Kommunen, sondern auch die Länder in Sachen Bildung finanziell unterstützen. Bleibt zu hoffen, dass dies ein erster Schritt zur Lösung der viel wichtigeren Probleme ist: Dringender als PCs brauchen wir an den Schulen mehr Stellen für Lehrer, Psychologen, Sozialarbeiter und Sonderpädagogen. Gelder für gesundes Schulessen. Ein funktionierendes System zur Mitfinanzierung der Sanierung maroder Schulen durch den Bund. Und vor allem endlich ein bundesweit gleichwertiges Abitur und eine Entwirrung der Methodik, damit Kinder, wo auch immer sie in Deutschland aufwachsen, wieder richtig sicher Lesen und Schreiben lernen. Und die „Lesekrise“? Kinder spiegeln das Verhalten der Erwachsenen und brauchen Vorbilder. Wenn wir möchten, dass sie mit Begeisterung lesen, müssen wir selber mit Begeisterung lesen, vorlesen und gute Geschichten erzählen. Und wir müssen uns Zeit dafür nehmen.

Matti und Sami und die verflixte Ungerechtigkeit der Welt, Beltz und Gelberg 2019, Coverillustration von Barbara Jung

Links im November

© Annabelle von Sperber

– Buchpremiere

Am 22. November um 18 Uhr findet im Supalife in der Raumerstraße 40 in Berlin Prenzlauer Berg die Buchpremiere und Vernissage von „Das große Buch der Architektur“ (Prestel Verlag, 2018, Text Susanne Rebscher) statt. Die wunderschönen Bilder der Illustratorin Annabelle von Sperber können auf Anfrage als Fine Art Prints erworben werden.

 

– Vorlesetag

Am 16. November ist der Bundesweite Vorlesetag! Das Motto lautet in diesem Jahr „Natur und Umwelt“.

 

– Bilderbuchfestival

Vom 11.-18. November findet im Märkischen Oderland das Internationale Bilderbuchfestival „Das Düstere und das Heitere“ statt. Neben Ausstellungen und dem „Illustrations-Slam“ wird es den Nachwuchs-Comic Workshop „Comic-Continent“ unter der Leitung des Illustrators Piotr Socha geben. Ein weiteres Highlight ist der Workshop der Illustratorin Marie Geißler zum Bilderbuch „Karl und Knäcke lernen räubern“ (von Kirsten Reinhardt).

 

– Zum Hören

Am 30.11. findet die 12. Kinderradionacht statt! Unter dem Motto „Superheldenhaft! Die ARD Kinderradionacht rettet die Welt! werden ab 20:05 über 5 Stunden lang Hörspiele, Reportagen, Comedys und Musik gesendet. Eines der Highlights ist das Hörspiel „Superflashboy“ von Salah Naoura. Kinder und ganze Schulen können aktiv mitmachen bei der Radionacht. Mehr Informationen dazu gibt es hier.

 

– Leseförderung 

In der Hamburger Erklärung fordert die Schriftstellerin Kirsten Boie zusammen mit inzwischen fast 90 000 Unterzeichnern: Jedes Kind muss lesen lernen. In der NDR Sendung DAS! spricht sie über Leseförderung. Ein Artikel von Kirsten Boie zum Thema bei Zeit Online.

 

– Zum Nachlesen

Einen lesenswerten Artikel über die Wichtigkeit des Buches hat Andreas Platthaus in der FAZ geschrieben.

 

– Preisregen

Anke Kuhl erhält für Ihr All-Age-Comicprojekt „Manno!“ den Comicpreis der Bernhard-Leibinger-Stiftung! Im Buchmarkt gibt es einen schönen Bericht.

 

– Neuer Bilderbuchpreis

Ab 2019 gibt es einen neuen Bilderbuchpreis. Der „Hamburger Bilderbuchpreis“ für unveröffentlichte Bilderbücher ist mit 12000 Euro dotiert. Der Siegertitel soll im Carlsen Verlag veröffentlicht werden.

 

– Was Schönes

Hilda, die Graphic Novel Serie vom britischen Shootingstar Luke Pearson erobert die Serienwelt! Die Reihe ist inspiriert von nordischen Mythologien, Trolle und andere seltsame Wesen tauchen auf. Seit September kann man auf Netflix Hildas Abenteuer anschauen.

Jeden Monat wird es hier auf dem Spreeautoren-Blog eine Linkliste mit ganz vielen Tipps rund um Kinder- und Jugendliteratur geben! Anregungen nehmen wir gerne entgegen: spreeautoren@web.de