Monat: November 2018

10 Fragen an unsere SpreeautorInnen

© Martina Wildner

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Name: Martina Wildner
geboren in:  Obergünzburg (Allgäu)
seit wann in Berlin: 2003
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1. Was sind die drei Lieblingsbücher deiner Kindheit?

Das fliegende Klassenzimmer, Dolly (Enid Blyton), Caius, der Lausbub aus dem alten Rom.

2.  Wie kam es zu deinem Berufswunsch AutorIn – und wie bist du es geworden?

Ich wollte nie Autorin werden, denn ich konnte mir nicht vorstellen, mal 100 Seiten zu schreiben. Ich wollte Sportlerin oder Malerin werden. Doch dann wurde mein literarisches Talent von Joachim Gelberg (Beltz & Gelberg) entdeckt. Jetzt schaffe ich auch 100 Seiten oder mehr.

3. Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?

Auf meinem Schreibtisch stehen immer eine Tasse Kaffee, der Bildschirm mit Tastatur und eine Lampe. Die Schreibtischplatte hat Sperrholzkrebs, und es liegen eine GPS-Laufuhr, ein Grafikpad, Aufkleber, Rechnungen, ein Taschenrechner, ein Geodreieck, der Kalender, ein Schmierblock, ein Klebestift, verbrauchte BVG-Fahrkarten und Schulsachen meiner Kinder darauf herum.

© Foto: Martina Wildner

4. Wann kommen dir die besten Ideen?

Beim Schreiben selbst und beim Putzen.

5. Wie sollen die HeldInnen deiner Kinderbücher vor allem sein?

Ehrlich.

6. Träumst du manchmal von deinen Figuren? Und wie heißt deine Lieblingsfigur?

Neulich hab ich mal geträumt, Hendrik (aus „Das schaurige Haus“) zu sein. Das war aber das erste Mal. Meine Lieblingsfigur ist Karla (aus „Königin des Sprungturms“).

7. Wem liest du als Erstes deine Texte vor?

Ich gebe sie meinem Lektor.

8. Machst du Lesungen oder Workshops mit Kindern? Fällt dir dir dazu ein Erlebnis ein?

Einmal habe ich von Nacktschnecken vorgelesen, da musste ein Kind kotzen. Wir mussten darauf das Zimmer räumen, weil es so gestunken hat, und woanders weiterlesen. Es stellte sich heraus, dass das Kind einen Infekt hatte.

9. Was sollte sich in der Kinderbuchbranche grundlegend verbessern?

Es sollte ausschließlich mich als Autorin geben;-).

10. Wie hieß das erste Kinderbuch, das von dir erschien, und was ist deine jüngste Neuerscheinung auf dem Buchmarkt?

Mein erstes Buch hieß „Liebe Isolde“. Es war ein Misserfolg. Mein neuestes heißt „Die unheimliche Krähe am See“. Den Erfolg kann ich noch nicht absehen.

Coverillustration: Anke Kuhl

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Auf Bildungs(politik)reise in Finnland

von Salah Naoura

Im September dieses Jahres wurde mir recht spontan die Ehre zuteil, den Bundespräsidenten und seine Frau als Teil der Delegation beim Staatsbesuch nach Finnland zu begleiten. Jenny Haukio, die finnische First Lady (die auch dichtet), hatte den Wunsch geäußert, mit Präsidentengattin Elke Büdenbender und Kinderbuchautoren beider Länder über Lesekrise und Bildungspolitik zu sprechen – auch bei den Finnen, man glaubt es kaum, lesekriselt es in letzter Zeit, trotz guten Abschneidens bei der PISA-Studie. So kam es dazu, dass ich mit Timo Parvela („Ella“), Dieter Hermann Schmitz („Die spinnen, die Finnen“) und den beiden First Ladies im Literaturhaus Helsinki über eben diese Themen sprechen durfte.

Um es gleich vorwegzunehmen: Ich war enttäuscht. Die Redezeit war auf eine Stunde begrenzt, von der die Gastgeberin des Literaturhauses, angeblich unsere Moderatorin, mindestens zwanzig Minuten für sich beanspruchte, um ausführlich ihre Arbeit vorzustellen. Dann waren wir an der Reihe. Timo Parvela propagierte eine stärkere Verknüpfung von Buchprojekten mit den neuen Medien. Ich sagte, man müsse in unserem verplanten Alltag erst mal wieder Zeiten des „Müßiggangs“ schaffen, wenn man möchte, dass Menschen lesen. Und Dieter Schmitz war dann doch nicht an der Reihe, sondern wurde übergangen.

Das Reisen in einer Kolonne ist gewöhnungsbedürftig und die Aufenthalte sind eng getaktet. Das hastige Verlassen und Besteigen der Fahrzeuge nimmt (jedenfalls gefühlt) mehr Zeit in Anspruch als die eigentlichen Termine. Inhaltlich Gehaltvolles darf man daher nicht erwarten.

Was ist mein Fazit dieser Reise? Erstens, dass hierarchische Gefüge immer schlecht sind, um zielorientiert zu sprechen. Wenn man nicht auf Augenhöhe diskutiert und – wie im Fall unserer Moderatorin – die Notwendigkeit empfunden wird, sich vor hohen Gästen zu profilieren, kommt wenig dabei raus. Zweitens, dass die Finnen wirklich Sinn für Humor haben. Alle, mit denen ich sprach. Als Frank-Walter Steinmeier sein Namensgedächtnis verließ und er mich dem finnischen Präsidenten mit einem lapidarenWie heißen Sie noch mal?“ vorstellte, sagte ich meinen Namen selber auf und erklärte dazu, dass ich häufig für einen Finnen gehalten würde, obwohl ich zur Hälfte Araber bin. Niinistös Antwort: „Na, das ist ja fast dasselbe.“ Drittens, dass die Finnen in Sachen Bildungspolitik wirklich begriffen haben, worum es geht: „Nach unserer Auffassung sind wir alle für unsere Kinder zuständig“, sagt Tarja Aurell von der Deutschen Schule Helsinki. „Nicht nur die Eltern oder nur die Lehrer. Die ganze Gesellschaft. Weil Kinder unsere Zukunft sind.“

Eine gesamtgesellschaftliche bildungspolitische Initiative bräuchten wir auch in Deutschland. Und das geht nicht, ohne die Länderhoheit zu beschneiden und den Bund stärker zu beteiligen. Folgerichtig hat das Parlament nun endlich eine Änderung des Grundgesetzes beschlossen, das die Lockerung des sogenannten „Kooperationsverbotes“ ermöglichen wird, um eine schnellere Digitalisierung der Schulen zu erreichen. Zukünftig darf der Bund nun nicht nur Kommunen, sondern auch die Länder in Sachen Bildung finanziell unterstützen. Bleibt zu hoffen, dass dies ein erster Schritt zur Lösung der viel wichtigeren Probleme ist: Dringender als PCs brauchen wir an den Schulen mehr Stellen für Lehrer, Psychologen, Sozialarbeiter und Sonderpädagogen. Gelder für gesundes Schulessen. Ein funktionierendes System zur Mitfinanzierung der Sanierung maroder Schulen durch den Bund. Und vor allem endlich ein bundesweit gleichwertiges Abitur und eine Entwirrung der Methodik, damit Kinder, wo auch immer sie in Deutschland aufwachsen, wieder richtig sicher Lesen und Schreiben lernen. Und die „Lesekrise“? Kinder spiegeln das Verhalten der Erwachsenen und brauchen Vorbilder. Wenn wir möchten, dass sie mit Begeisterung lesen, müssen wir selber mit Begeisterung lesen, vorlesen und gute Geschichten erzählen. Und wir müssen uns Zeit dafür nehmen.

Matti und Sami und die verflixte Ungerechtigkeit der Welt, Beltz und Gelberg 2019, Coverillustration von Barbara Jung

Links im November

© Annabelle von Sperber

– Buchpremiere

Am 22. November um 18 Uhr findet im Supalife in der Raumerstraße 40 in Berlin Prenzlauer Berg die Buchpremiere und Vernissage von „Das große Buch der Architektur“ (Prestel Verlag, 2018, Text Susanne Rebscher) statt. Die wunderschönen Bilder der Illustratorin Annabelle von Sperber können auf Anfrage als Fine Art Prints erworben werden.

 

– Vorlesetag

Am 16. November ist der Bundesweite Vorlesetag! Das Motto lautet in diesem Jahr „Natur und Umwelt“.

 

– Bilderbuchfestival

Vom 11.-18. November findet im Märkischen Oderland das Internationale Bilderbuchfestival „Das Düstere und das Heitere“ statt. Neben Ausstellungen und dem „Illustrations-Slam“ wird es den Nachwuchs-Comic Workshop „Comic-Continent“ unter der Leitung des Illustrators Piotr Socha geben. Ein weiteres Highlight ist der Workshop der Illustratorin Marie Geißler zum Bilderbuch „Karl und Knäcke lernen räubern“ (von Kirsten Reinhardt).

 

– Zum Hören

Am 30.11. findet die 12. Kinderradionacht statt! Unter dem Motto „Superheldenhaft! Die ARD Kinderradionacht rettet die Welt! werden ab 20:05 über 5 Stunden lang Hörspiele, Reportagen, Comedys und Musik gesendet. Eines der Highlights ist das Hörspiel „Superflashboy“ von Salah Naoura. Kinder und ganze Schulen können aktiv mitmachen bei der Radionacht. Mehr Informationen dazu gibt es hier.

 

– Leseförderung 

In der Hamburger Erklärung fordert die Schriftstellerin Kirsten Boie zusammen mit inzwischen fast 90 000 Unterzeichnern: Jedes Kind muss lesen lernen. In der NDR Sendung DAS! spricht sie über Leseförderung. Ein Artikel von Kirsten Boie zum Thema bei Zeit Online.

 

– Zum Nachlesen

Einen lesenswerten Artikel über die Wichtigkeit des Buches hat Andreas Platthaus in der FAZ geschrieben.

 

– Preisregen

Anke Kuhl erhält für Ihr All-Age-Comicprojekt „Manno!“ den Comicpreis der Bernhard-Leibinger-Stiftung! Im Buchmarkt gibt es einen schönen Bericht.

 

– Neuer Bilderbuchpreis

Ab 2019 gibt es einen neuen Bilderbuchpreis. Der „Hamburger Bilderbuchpreis“ für unveröffentlichte Bilderbücher ist mit 12000 Euro dotiert. Der Siegertitel soll im Carlsen Verlag veröffentlicht werden.

 

– Was Schönes

Hilda, die Graphic Novel Serie vom britischen Shootingstar Luke Pearson erobert die Serienwelt! Die Reihe ist inspiriert von nordischen Mythologien, Trolle und andere seltsame Wesen tauchen auf. Seit September kann man auf Netflix Hildas Abenteuer anschauen.

Jeden Monat wird es hier auf dem Spreeautoren-Blog eine Linkliste mit ganz vielen Tipps rund um Kinder- und Jugendliteratur geben! Anregungen nehmen wir gerne entgegen: spreeautoren@web.de