Bundeskongress Kinderbuch – Das Netzwerk wächst

 von Angela Bernhardt

Manche Ideen brauchen Zeit zum Wachsen, andere schlagen sofort ein. Wie die Netzwerkidee. Im Frühjahr 2017 auf der Leipziger Buchmesse gegründet, tagte der Bundeskongress Kinderbuch im Oktober 2018 in Frankfurt schon zum vierten Mal. Was online begann, wollten wir, die deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchautorinnen und -autoren nun auch offline umsetzen: uns in einem eigenen Netzwerk von Angesicht zu Angesicht austauschen. Über alles, was mit unserer Arbeit zusammenhängt. Die Situation des deutschen Buchmarkts zum Beispiel, unsere Zusammenarbeit mit Verlagen und Agenturen, Vorschüsse, Lesungshonorare, die Klippen der Freiberuflichkeit, Erfolge und Misserfolge und vieles mehr. Jede/r deutschsprachige Autor/in, die/der mindestens ein eigenständiges Kinder- oder Jugendbuch in einem bei der avj gelisteten Verlag veröffentlicht hat, ist uns willkommen und auf unserer Website www.bundeskongress-kinderbuch.de vertreten. Über 170 Autorinnen und Autoren sind wir inzwischen schon, und es werden immer mehr.

Doch wir kochen nicht im eigenen Saft. Nachdem wir im Frühjahr in Leipzig Vertreterinnen und Vertreter deutschsprachiger Kinderbuchverlage eingeladen hatten, sich mit uns auszutauschen und viele von ihnen der Einladung auch gefolgt sind, war diesmal der Unternehmensberater Ehrhardt Heinold bei uns zu Gast. Über die Zukunft des Lesens, des Schreibens und des Buchhandelsmarkts ist sicher selten in kurzer Zeit so informativ berichtet worden wie von ihm.

Seine Analyse der aktuellen Situation: Die Konkurrenz für das gedruckte Buch durch neue Medien ist gewachsen, denn das Mehrangebot an Geschichten (zum Beispiel Stichwort Netflixserien) verknappt die für das einzelne Medium verfügbare Zeit.

Und doch wird auf dem Kinderbuchmarkt nach wie vor stark auf Masse gesetzt. Über 9.000 deutschsprachige Kinder- und Jugendbuchtitel bringen die Verlage jährlich auf den Markt, wohl wissend, dass ein Großteil davon sehr schnell wieder in der Versenkung verschwindet. Das Marketing konzentriert sich immer stärker auf einzelne Spitzentitel, der Rest wird dementsprechend im Buchhandel kaum wahrgenommen. Nur kleine, inhabergeführte Buchhandlungen mit eigenem Konzept steuern dagegen, aber ihre Zahl ist in den letzten fünf Jahren um etwa 2.000 geschrumpft. Was wächst, sind die großen Ketten. So machen 10 % der Buchhandlungen zwei Drittel des gesamten Umsatzes. Erstaunlicherweise ist dieser Umsatz in den letzten 15 Jahren weitgehend stabil geblieben. Der Grund sind allerdings nicht mehr Buchverkäufe sondern gestiegene Buchpreise.

Über 7 Millionen Buchkäufer weniger gibt es seit 2012, und dabei liegen die stärksten Einbrüche interessanterweise nicht bei der Jugend, sondern bei den 30- bis 50-jährigen, das heißt bei den Eltern der Kinder, die lesen sollen. Das gesamte Medienzeitbudget der Bevölkerung ist seit Jahren relativ konstant, aber die Mediennutzung hat sich stark zugunsten von Smartphone, Gamesmarkt und Homevideo verändert.

Heinolds hoffnungsvolles Fazit: Das Buch als Medium mag sich im Abwärtstrend befinden, das Geschichtenerzählen und damit auch die Erzähler/innen werden jedoch immer gebraucht, weil sie ein menschliches Grundbedürfnis erfüllen.

Die Frage ist künftig also verstärkt, wie, in welcher Form und auf welchen Wegen wollen wir unsere Geschichten veröffentlichen? Wir sind diejenigen, die mit zahlreichen Lesungen übers ganze Jahr am dichtesten dran sind an unserem Publikum. Nutzen wir diese Chance und unser Netzwerk, um auf diese zentrale Frage kreative, zeitgemäße Antworten zu finden.

Ein weiterer wichtiger Programmpunkt des 4. Bundeskongresses waren die Berichte aus den regionalen Kinderbuchnetzwerken in Köln, München, Hamburg, Hessen, Oberfranken und Berlin. Mit originellen Ideen und Veranstaltungen treiben engagierte Kolleginnen und Kollegen den Netzwerkgedanken innerhalb der gesamten Branche auch auf dieser Ebene voran.

Was wir von diesem intensiven Treffen noch mitgenommen haben, sind Buttons mit der Aufschrift „Kinderbuchautor/in für Vielfalt und Toleranz“. Wir haben sie auf der Buchmesse getragen und tragen sie weiter bei Lesungen und anderen Veranstaltungen, um auch gesellschaftspolitisch Flagge zu zeigen.

Ab 2019 tagt der Bundeskongress nur noch einmal jährlich während der Frankfurter Buchmesse. Bis dahin werden wir uns austauschen, neue Kontakte knüpfen, Pläne schmieden, Aktionen realisieren, vorlesen und natürlich weiter schreiben. Fest steht: Wir sind viele, wir haben Power, wir unterstützen uns gegenseitig und wir denken nach vorn!

         

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