Leere Leinwand im Kopfkino

 © Till Hülsemann

von Salah Naoura

Kinder sind kreativ, sie stellen sich die ungewöhnlichsten Dinge vor, verknüpfen die widersprüchlichsten Ideen miteinander, bereisen per Vorstellungskraft unbekannte Orte und erschaffen neue Welten … So jedenfalls schwärmen Erwachsene seit jeher von dem Phänomen der kindlichen Fantasie, die dann mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter nicht selten leider verloren gehe: „Manche legen ihre Kindheit ab wie einen alten Hut“, beklagte schon Kästner. Das ist eine Weile her. Auch der Lebensabschnitt Kindheit wandelt sich im Kommunikationszeitalter, und inzwischen trifft man immer häufiger auf Kinder, die Kästners Hut als Erwachsene gar nicht erst ablegen können, weil sie nie einen hatten. Die kindliche Vorstellungskraft, die Fähigkeit, im Kopf eigene Bilder zu entwerfen, scheint zu schwächeln. Mehr lesen

10 Fragen an unsere SpreeautorInnen: Annabelle von Sperber

Foto: Silke Weinsheimer


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Name: Annabelle von Sperber
aufgewachsen in:  München
seit wann in Berlin: 2000
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1. Was sind die drei Lieblingsbücher deiner Kindheit?

„Krabat“ von Otfried Preußler, „Der gelbe Vogel“ von Myron Levoy, und „Momo“ von Michael Ende.

2.  Wie kam es zu deinem Berufswunsch Illustratorin – und wie bist du es geworden?

Das Zeichnen hat mir immer einen eigenen Raum geöffnet. Schon in der Schule amüsierten sich meine Mitschüler darüber, dass ich in meiner tiefen Versunkenheit gar nicht mehr ansprechbar war. Noch heute empfinde ich es als Privileg, mich mit einem Text in meine Bilderwelt zurückzuziehen, in einer Parallelwelt zu verschwinden, dabei Musik zu hören und ganz introvertiert zu sein. Als Dozentin kann ich meine extrovertierte Seite ausleben, bin im Austausch mit den Studenten und kann meine Erfahrung weitergeben. Dies beides zu haben, ist für mich einfach wunderbar.

3. Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?

Ich habe drei Arbeitsplätze. Einen in meinem Atelier mitten in Berlin. Zusammen mit meiner wunderbaren Kollegin Irmela Schautz, in einer Kurve hinter der Gethsemanekirche. Der zweite Arbeitsplatz liegt mitten im Schwarzwald, mit Blick auf die Vogesen. Und der dritte Arbeitsplatz findet sich im ICE auf freier Strecke.

4. Wann kommen dir die besten Ideen?

Ich halte es wie Christoph Niemann. Den Tee gekocht, den Bleistift angespitzt, das Papier bereit und dann auf die Muse warten. Meistens kommt sie zwischen neun und achtzehn Uhr.

5. Wie sollen die HeldInnen deiner Kinderbücher vor allem sein?

Selbstbewusst, klug, stark und verletzlich. 

6. Welches Tier zeichnest du am liebsten, welchen Gegenstand gar nicht gern?

Ich kann keine Tiere zeichnen, alle meine Pferdeversuche sehen aus wie ein Dackel. Gegenstand … Eigentlich zeichne ich tatsächlich alles gerne, wenn es mich lockt oder Sinn macht.

7. Wem zeigst du als Erstes deine Bilder?

Irmela, wir unterstützen uns sehr gut gegenseitig. Sie „stoppt“ mich immer in meiner Arbeit, ich „räume ihre Bilder auf“.

8. Machst du Lesungen oder Workshops mit Kindern? Fällt dir dir dazu ein Erlebnis ein?

Bei meiner letzten Lesung zusammen mit Susanne Rebscher zu unserem „großen Buch der Architektur“ (Prestel Verlag) saß ein kleiner Junge in der ersten Reihe. Auf die Frage, wie man beim Bau des Empire State Buildings die Stahlträger zusammengefügt habe, war er so aufgeregt, dass er seine Füße auf den Stuhl hochzog und mit leuchtenden Augen wild mit den Armen wedelte. Er juchzte: „Na, mit einem Superkleber natürlich!“. Ich erwiderte: „Gute Idee, aber wenn man nun keinen Superkleber zur Hand hat?“ Daraufhin er, vor Aufregung schon stehend: „Na dann kann man so einen Superbau eben nicht bauen!“.

9. Was sollte sich in der Kinderbuchbranche grundlegend verbessern?

Der Respekt und die Bezahlung. In England und Amerika werden Illustratoren besser honoriert und als „artists“ behandelt. Natürlich gibt es auch hier sehr respektvolle LektorInnen. Ich habe es aber auch schon erlebt, dass eine Verlagsmitarbeiterin auf meine Frage nach dem Honorar laut nachdachte: „Wir müssen erst noch mal kalkulieren, welches Papier wir im Druck verwenden, und dann schauen wir mal, was da noch für Sie übrig ist.“ Fühlt sich seltsam an, wenn man sich als Illustratorin hinter dem Papier anstellen muss.

10. Wie hieß das erste Kinderbuch, das von dir erschien, und was ist deine jüngste Neuerscheinung auf dem Buchmarkt?

Das erste Kinderbuch war von Agnes Desarthe (Dressler Verlag) und hieß „Von kleinen Geheimnissen und großen Füßen“.

Auf der jetzigen Buchmesse waren meine Neuerscheinungen „Drachenleuchten“ von Valija Zinck (Fischer Verlag) und  „Rosa und der Geburtstag“ von Kristina Kreuzer (WooW Books). 

„Drachenleuchten“ von Valija Zinck, Illustration Annabelle von Sperber, Fischer Verlag
„Rosa und der Geburtstag“ von Kristina Kreuzer, Illustration Annabelle von Sperber, WooW Books

Links im Oktober

© Halina Kirschner/Katja Spitzer

Ausstellung

Die Illustratorinnen Halina Kirschner und Katja Spitzer zeigen unter dem Titel „Überwiegend Bilderbücher“ Bilder aus Büchern in Oelsnitz im Erzgebirge. Am 25. Oktober, um 19 Uhr wird die Ausstellung im Heinrich-Hartmann-Haus eröffnet. Die Ausstellung geht vom 25. Oktober bis zum 8. Dezember.
09376 Oelsnitz/Erzgeb., Untere Hauptstr. 16
www.heinrich-hartmann-haus.de
Do 9 bis 17 Uhr Fr, Sa, So 14 bis 18 Uhr

©Kirsten Reinhardt

Theaterstück

„Fennymore oder Wie man Dackel im Salzmantel macht“
Ein Anti-Diktatoren-Theater von Kirsten Reinhardt & Sebastian Mauksch
27. Oktober 2019 –  01. November 2019
Karten: https://www.ballhausost.de/produktionen/fennymore/
Video: https://www.youtube.com/watch?v=2r3At2BOSbg

©Sebastian Meschenmoser

Ausstellung

„Die unendliche Geschichte“ Originale von Sebastian Meschenmoser
zum Klassiker von Michael Ende
Zu sehen sind 50 Ölgemälde und Zeichnungen des Berliner Künstlers. Außerdem zeigt die LesArt auch die Originalzeichnungen der Erstausgabe der unendlichen Geschichte von 1979.
Ausstellungsdauer: 7.9. – 12.11.2019
Öffnungszeiten: Di, Mi, Sa 14 – 18 Uhr
Eintritt frei
https://www.lesart.org/

Frauenpower und weibliche Vorbilder

Wir freuen uns über einen tollen Gastartikel (Auszug) von Heike Brillmann-Ede. Der vollständige Beitrag erschien ursprünglich unter dem Titel „SICHTBAR werden — und bleiben!“ im Eselsohr April 2019. Wir dürfen den Text auszugsweise auf dem Spreeautoren Blog veröffentlichen. Vielen Dank an Heike Brillmann-Ede und das Eselsohr.

Weibliche Vorbilder werden gebraucht. JA, und schön, dass die #MeToo-Debatte geholfen hat, das Thema erneut ins Bewusstsein zu rücken. Diskussion bis zum Kampf treibt Frauen seit Jahrhunderten an: Wie schaffen wir es, endlich gleichgestellt und gleichbehandelt zu werden? Weltweit. Unbedingte Voraussetzung ist das Benennen derjenigen, die vorangehen. Denn Sichtbarkeit ermöglicht Identifikation. Ein Blick in die Buchwelt lässt hoffen, dass das aktuelle Engagement nachhaltig gedacht ist.

Von Heike Brillmann-Ede

Gelungen ist der Überblick, den Marta Breen (Text) und Jenny Jordahl (Illustraion) in Rebellische Frauen präsentieren. Weit gespannt ist der historische Bogen: von 1840, als beim inter- nationalen Anti-Sklaverei-Kongress in England die Frauen zwar zuhören, aber nicht mitreden durften, und wenig später Amerikanerinnen in einem Manifest die Gleichberechtigung von Mann und Frau forderten – bis hin zu Malala, der jüngsten Friedensnobelpreisträgerin, und #MeToo. Neben mitreißenden Einzelporträts geben die farbthematisch gestalteten Dop- pelseiten Aufschluss über die Ziele: Befreiung aus männlicher Vormundschaft, Wahlrecht und politische Teilhabe auf allen Ebenen, das Recht auf Bildung und gleiche Bezahlung, gegen die Unterdrückung durch die Religion und für das Recht auf Verhütung, Abtreibung und sexuelle Orientierung. Viel wird erreicht, wenn nur eine vorangeht!

Illustration: Jenny Jordahl © Elisabeth Sandmann Verlag

Frauenpower made in Europe heißt der Band, Autorin Petra Bachmann und Illustratorin Inka Vigh findet man leider erst auf der Innentitel- seite. Schade, vielleicht passte die Namensnennung nicht zur Cover-Optik. In chronologischer Reihenfolge – angefangen bei Hildegard von Bingen bis zur jungen Julia Dekker, die allein die Welt umsegelte – werden bild- und inforei- che Porträts geboten. Im Anhang verknüpft eine Chronik die Lebensdaten der Frauen mit historischen Ereignissen. Die luftige Gestaltung ist einladend, der Text eingängig mit Originalzitaten. Ergreifende Schicksale wie das von Lili Elbe, einer „Pionierin der Geschlechtsumwandlung“, rücken Menschen ins Bewusstsein, die zu oft vergessen sind.

Illustrationen: Inka Vigh © ars Edition

Die Historikerin und Autorin Mackenzie Lee machte im Studium die Erfahrung, dass weibliche Vorbilder kaum genannt wurden, obwohl sie in eigenen Recherchen vielen ungewöhnlichen Frauen begegnete. Farbintensiv unterstützt von Petra Eriksson, stellt Lee „ihre Lieblingsfrauen“ in Kick-ass Women 52 wahre Heldinnen vor. Frauen aus knapp fünf Jahrtausenden bis 1965 stehen für Intuition, Innovation, Herrschaftsanspruch, Widerspruchsgeist und Kreativität in allen Bereichen des Lebens, der Wissenschaft und der Kunst (ein wenig US-lastig). Die eng gedruckten Texte sind schlank und zielorientiert formuliert, Anmerkungen und Zitate erweitern den Blick, die ausgewählte Literatur am Ende ist eine Einladung zur Eigenrecherche, wenn auch fast nur englischsprachig und in Lupenschrift.

Illustrationen: Petra Eriksson © Suhrkamp nova

Ergänzung von Constanze Guhr:

Auch einige der Spreeautoren – und zwar diesmal die Berliner Illustratorinnen haben an einem Buch über Frauenpower mitgewirkt. Anläßlich des 100 jährigen Jubiläums des Frauenwahlrechts, erschien 2018 das Buch 100 Frauen – 100 Jahre Frauenwahlrecht bei Jacoby und Stuart. Bianca Schaalburg, Britta Teckentrupp, Constanze Guhr, Katja Spitzer, Nele Brönner, Arinda Craciun, Ulrike Jensen und Tanja Székessy illustrierten ihre Frauen. Das Buch richtet sich an Jugendliche ab 12 Jahren.

Illustrationen: verschiedene Illustratorinnen ©Jacoby&Stuart

Schomburgs Reimomat 4

© Agnieszka Kosakowska

Haut rein!

(C) Andrea Schomburg 2019    

Wir hören es ja alle täglich:
Das, was uns schmeckt, ist unzuträglich.
Doch Gott sei Dank hat vor zwei Stunden
die Wissenschaft herausgefunden,
dass dann, wenn man so recht genießt,
ein Endorphin im Körper sprießt,
das das, was schädlich, attackiert
und es komplett eliminiert.
Wir können ohne Sorge sein.  
Haut rein!