Kategorie: Allgemein

Neue Beratungstermine mit Heike Brillmann-Ede an der Lettrétage

An alle interessierten Illustratoren/innen und Autor/innen! Heike Brillmann-Ede, Lektorin und Leseagentin bietet Beratungsgespräche in der Lettrétage an. Hier sind die nötigen Informationen:

Heike Brillmann-Ede

Am 11.04.19 biete ich — freie Lektorin, Rezensentin, Leseagentin — wieder Beratungsgespräche an in der Lettrétage, Mehringdamm 61. Die Gespräche werden finanziert von der WiSU Berlin. Meine Schwerpunkte sind: Wege zum Lektorat im Bilder- bis Jugendbuch. Selfpublishing. Netzwerke, Akquise, Honorar, Verhandeln mit Verlagen, Verlagslandschaft. Für Bild- und TextautorInnen.

Die Anmeldung läuft ab sofort. (https://www.literaturszene.berlin/beratungsangebot/termin-buchen/)

Die Anmeldung läuft tatsächlich schon.

Drei gibt es bereits, mit acht Bild-Text-AutorInnen insgesamt kann ich sprechen.

Herzlich, Heike

Veröffentlicht in Allgemein von Katja Spitzer.

Das Interview: Tulipan-Verlagsleiterin Anette Beckmann

Anette Beckmann ist seit Gründung des Tulipan Verlages dabei, anfangs noch als freischaffende Grafikerin, später dann als Art Direktorin. Im letzten Herbst hat sie die Verlagsleitung übernommen. Wir wollten wissen, was das bedeutet und was für Ideen sie für die Zukunft hat.

Spreeautoren: Du hast vor kurzem die Verlagsleitung des Tulipan Verlages übernommen. Erzähle uns doch, wie es dazu kam und wie deine Arbeit organisiert ist.

Anette Beckmann: Ich habe im Oktober 2018 die Verlagsleitung übernommen, da sich unsere Verlegerin, Mascha Schwarz, aus dem operativen Geschäft zurückziehen möchte.  Ich spreche also mit Autoren, Illustratoren und Agenten, lese die angebotenen Texte und Projekte, mache die Termine auf den Messen … Der Austausch mit den Künstlern steht bei meiner Arbeit auf jeden Fall im Vordergrund und macht auch viel Spaß. Aber grundsätzlich ist es sowieso so, dass wir jeden Titel im Team besprechen. Wenn ich also von einem Titel überzeugt bin, bespreche ich mich mit Mascha und unserer Lektorin, dann mit der Geschäftsleitung und auch im kompletten Team. Wenn wir uns für einen Titel entschieden haben, schauen wir, wie man ihn positionieren kann, ob es ein Winter- oder Frühlingstitel wird, ob sich besondere Marketingaktionen anbieten, ob es ein besonderer Pressetitel ist … Mascha als Verlegerin ist an den großen Entscheidungen nach wie vor beteiligt und wir stehen im engen Austausch.

Spreeautoren: Seit wann gibt es den Tulipan Verlag?

Anette Beckmann: Der Verlag wurde 2006 gegründet, das erste Programm erschien 2007.

Spreeautoren: Kannst du uns erzählen, wie sich der Verlag seitdem entwickelt hat? Gab es am Anfang ein anderes Programm oder weniger Bücher?

Anette Beckmann: Es gab anfangs wesentlich weniger Bücher. Damals hatten wir sieben bis acht im Programm pro Saison, heute sind es doppelt so viele. Außerdem waren wir früher auch deutlich klassischer ausgerichtet. Bücher mit Halbleinen und Goldprägung kamen z.B. immer wieder vor. Im erzählenden Buch, aber auch in unserer Hausbuchreihe, die wir seit ein paar Jahren nun nicht mehr machen.
Das Programm war sehr literarisch und künstlerisch ausgelegt, weniger experimentierfreudig. Das hat sich dann über die Jahre weiterentwickelt. Inzwischen wird viel mutiger mit bestimmten Themen umgegangen: Tod, Demenz, Depressionen …
Alles keine einfachen Themen. Aber wir suchen bewusst danach und möchten immer ein besonderes Buch im Programm haben. Seit ein, zwei Jahren haben wir dafür auch einen Slogan:

Tulipan Bücher bewegen!

In Zukunft möchten wir dieses »Label« auch für unsere besonderen Bücher, die bewegenden Bücher, nutzen und hoffen, damit besonders den Buchhandel zu erreichen.

Spreeautoren: Gibt es für solche Bücher eine Förderung?

Anette Beckmann: Die Möglichkeit besteht sicher, aber ich glaube, in dem Moment, in dem man Förderungen in Anspruch nimmt, wird man auch unfreier in der Umsetzung. Uns ist es wichtig, sehr ehrlich und offen mit schwierigen Themen umzugehen, gleichzeitig darf hier der pädagogische Ansatz nicht im Vordergrund stehen … Solche Bücher können und dürfen vor allem poetisch und künstlerisch umgesetzt werden … So wie es Werner Holzwarth und Mehrdad Zaeri zum Beispiel mit »Mein Jimmy« gelungen ist oder wie Nikola Huppertz und Tobias Krejtschi mit »Meine Mutter, die Fee« etwas ganz Berührendes geschaffen haben. Ich denke, dass diese Bücher von enormer Wichtigkeit sind, auch wenn viele sicher Nischenprodukte bleiben. Es sind keine Bücher, bei denen wir riesige Auflagen erwarten.
So funktioniert auch bei uns ein bisschen die Mischkalkulation, wir möchten eben besondere Bücher machen und dafür brauchen wir natürlich ein paar andere Bücher im Programm, von denen wir ziemlich sicher davon ausgehen können, dass sie ein breiteres Publikum ansprechen. Gleichzeitig dürfen sie nicht platt sein … das ist unser Anspruch. Humorvolle Bücher, von denen wir auch mal 70 000 Stück verkaufen, sind nicht weniger wichtig als welche mit ernsten Themen.

Spreeautoren: Was ist euch wichtig, wenn ihr ein Buch macht?

Anette Beckmann: Am Anfang steht immer die Frage: Warum ist dieses Buch ein Tulipan Buch? Dazu gehört nicht nur ein guter Text, dazu gehört auch die komplette Umsetzung, bei der alles stimmen muss: die Bilder, das Format, das Papier, der Druck, das Marketing, die Positionierung etc.Wir müssen also bei jedem Titel eine, unsere, Linie verfolgen.

Spreeautoren: Wie macht ihr das? Dürfen immer alle mitreden oder gibt es z.B. eine Liste, die abgehakt werden muss?

Anette Beckmann: Wir versuchen schon, dass alle im Team mitsprechen dürfen, aber wir sind natürlich auch ein kleines Team und haben kurze Wege. Das macht es einfacher.

Spreeautoren: Habt ihr auch einen eigenen Vertrieb?

Anette Beckmann: Nein, wir sind bei Oetinger mit im Vertrieb. Dennoch haben wir eine eigene Vorschau und einen eigenen Versand. Die Vertriebskooperation hat den großenVorteil, auch in Buchhandlungen hineinzukommen, bei denen es unabhängige Vertreter schwerer haben. Das lässt sich aber auch nicht nicht verallgemeinern.  Und unabhängig davon muss man auch sagen, dass der Vertreteranteil heutzutage immer geringer wird, die Buchhändler greifen auch auf andere Multiplikatoren zurück, oder der Endkunde bestellt direkt online. Das hat sich gewandelt.

Spreeautoren: Kannst du dazu noch mehr sagen?

Anette Beckmann: Vieles möchte ich auch noch herausfinden. Ich bin gerade dabei, mich in den Markt einzuarbeiten. Das Netzwerk ausbauen, Kontakte zu Buchhändlern aufbauen, zu Vertretern, Autoren, Journalisten … Und ich schaue, was die anderen Verlage machen. Wobei ich glaube, dass die Kinderbuchverlage untereinander keine großen Konkurrenten sind. Die Autoren oder Illustratoren machen nicht so umfangreiche Projekte, dass sie nicht mehr als eins im Jahr machen können. Man arbeitet mit den Künstlern selten exklusiv und kann deshalb die anderen Verlage mehr als Partner begreifen und sollte sich austauschen. Ich habe manchmal das Gefühl, dass einige Verlage da sehr vorsichtig sind und das gar nicht so wünschen, weil sie den anderen doch als Konkurrenten sehen. Ich persönlich glaube, dass das nicht richtig ist und man diesen Konkurrenzgedanken gar nicht haben muss, man sollte sich lieber austauschen, damit nicht drei Verlage mit einem ähnlichen Thema und gleichen Illustrationen gleichzeitig rauskommen.

Spreeautoren: Was sind aktuell eure erfolgreichsten Bücher?

Anette Beckmann: Zum einen ist das eine Vorlese-Reihe von Kai Pannen, die mit einem Titel gestartet ist, der wie ein Adventskalender aufgebaut ist. Dieser hat sich so gut verkauft, dass wir damit im vergangenen November sogar unter den ersten zehn Plätzen bei Amazon waren und jetzt z.B. auch bei Thalia gelistet sind. Dadurch haben auch andere Titel die Chance, von den Käufern entdeckt zu werden. Die Nachfolgebände werden jetzt auch sehr gut bestellt. Aber es gibt auch andere Titel, z.B. unser Monsta-Bilderbuch, das nach kurzer Zeit schon in der dritten Auflage war.

Spreeautoren: Habt ihr euch einen Schwerpunkt gegeben, oder entwickelt sich das von selbst?

Anette Beckmann: Ein Hauptschwerpunkt bei uns ist das Bilderbuch. Und wir haben seit zwei Jahren das Segment Geschenkbuch eingeführt, natürlich nicht im Sinne von Ratgebern, die man sonst so kennt. Aber Bücher, die sowohl im Bilderbuch als auch im Geschenkbuchbereich funktionieren. Sicherlich haben wir auch im Erstlesebereich einen Schwerpunkt, weil wir etwas machen, was andere Verlage nicht machen, weil wir versuchen, literarischere Texte zu nehmen und sie von tollen Künstlern illustrieren lassen. Wo ich jetzt tatsächlich noch einen Schwerpunkt setzen möchte, ist im Romanbereich für etwas ältere Kinder so ab 10, 11. Ich glaube, da gibt es wirklich einen Bedarf, vor allem im realistischen Bereich. Also tatsächlich Alltagsthemen, mal schwieriger, aber auch richtig lustig, also so etwas wie literarische Unterhaltung.

Spreeautoren: Zum Schluss wollte ich dich noch fragen: Wenn du etwas an der Verlagsszene ändern könntest, was wäre das? Ein bisschen hast du ja schon gesagt.

Anette Beckmann: Ich würde mir echt mehr Austausch wünschen. Das kann man auch selbst ändern, indem man die Leute einlädt, anspricht, sich austauscht und diesen Netzwerk-Gedanken verfolgt. Ich glaube, dass das viel zu wenig gemacht wird. Außerdem würde ich mir wünschen, dass es weniger Gejammer gibt. Das halte ich für destruktiv. Die Welt verändert sich, es gibt nun mal immer mehr Serien und Filme und Smartphone-Nutzung, damit muss man irgendwie umgehen. Man könnte Ideen entwickeln und versuchen, offen in diese Richtung zu denken. Warum sollte man nicht mal einen Text fürs Handy schreiben, wo man jeden Tag ein Kapitel lesen kann? Oder man legt ein Buch von vornherein so an, dass man daraus auch eine Netflix-Serie macht … Da gibt es bestimmt ganz viele Richtungen, in die man denken kann. Ich glaube, es ist schlecht, immer von sinkenden Buchverkäufen zu reden, denn das tun sie ja zum Glück im Kinderbuchbereich gar nicht so sehr. Damit machen es sich viele auch zu einfach, weil es natürlich leichter ist, sich zu beschweren, als zu schauen, was man ändern kann und muss. Ich kann zum Beispiel von Tulipan sagen – und das freut mich sehr -, dass wir unseren Umsatz im letzen Jahr deutlich steigern konnten. Da habe ich das Gefühl, wir sind auf einem tollen Weg.

Spreeautoren: Viel Erfolg und danke für das Gespräch.

Der Unsinn mit dem „Tellerrand“

© Till Hülsemann

von Salah Naoura

Jüngst führte mich eine Lesereise zum ersten Mal nach Luxemburg, nach Düdelingen, wohin mich eine kinderliteratur-engagierte Lehrerin eingeladen hatte. Wir sprachen viel über die Kinderbuchbranche und wie man heutige Kinder für Geschichten begeistert. Zu meiner Überraschung (und großen Freude) hob sie die Bedeutung der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur besonders hervor. Deutschsprachige Bücher stellten, sagte sie, ein ganz eigenes Genre dar – eine oft wunderbare Mischung aus realen und fantastischen Elementen, wodurch Kinder zum einen vor der Haustür abgeholt, zum anderen in neue Welten entführt würden, in denen sich Althergebrachtes spiegeln, neu deuten und bewerten lasse.

Schwer zu sagen, ob dies wirklich ein typisches Merkmal deutschsprachiger KJL ist (das wäre eine literaturwissenschaftliche Untersuchung wert) – jedenfalls ist es (und das verblüffte mich) genau das, was ich selber mag: ein reales Setting, in dem das Geschehen irgendwann ins Irreale abhebt. Solche Bücher seien so wichtig, dass in der luxemburgischen Lehrerausbildung sogar dazu angehalten werde, im Deutschunterricht möglichst keine Übersetzungen zu lesen.

Dermaßen viel Wertschätzung deutschsprachiger Kinderbücher hat hierzulande Seltenheitswert – in jüngerer Vergangenheit war unter den deutschen Gralshütern der Kinderliteratur eher die Rede davon, deutschsprachige Autorinnen und Autoren könnten nicht so gut schreiben wie englischsprachige oder skandinavische. Auch unser Jugendliteraturpreis bescheinigt dem deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuch Jahr für Jahr seine angeblich mangelnde Qualität, indem er in diesen Sparten fast nur Übersetzungen nominiert und auszeichnet.

Der Wunsch der Mehrheit unserer Autorinnen und Autoren nach mehr Sichtbarkeit (zum Beispiel durch Einführung einer deutschsprachigen Sparte des DJLP) wird abgetan als Ruf der ewig Gestrigen, die immer noch nicht begriffen hätten, wie wichtig in unseren globalisierten Zeiten der „Blick über den Tellerrand“ sei. Was für ein Unsinn. Wer dies heute noch als eine Notwendigkeit beschreibt, hat nicht begriffen, dass es den Teller nicht mehr gibt. Kindern und Jugendlichen ist die globalisierte Welt längst eine Selbstverständlichkeit. Sie findet vor der Haustür statt und in der Schule. Über andere Kulturen liest man zudem überall oder man fährt hin. Heutige Kinder reisen erstaunlich viel und kommunizieren weltweit.

Um der aktuellen „Lesekrise“ beizukommen, brauchen wir einen neuen Fokus auf die deutschsprachige Literatur für Kinder und Jugendliche. Auf Geschichten, die ihnen jene Welt spiegeln, in der sie sich tagtäglich bewegen. Denn nur wer sich gut kennt und eine selbstsichere Identität hat, kann den anderen und ihrer Andersartigkeit gegenüber neugierig, offen und tolerant sein – Grundvoraussetzung für ein friedvolles Zusammenleben in einer pluralistischen Gesellschaft.

Links im Januar

Zwei Mamas für Oscar, Susanne Scheerer und Annabelle von Sperber, © Ellermann Verlag

Diversität im Kinderbuch

Gibt es zu wenig diverse Kinderbücher in Deutschland? Das sollten wir diskutieren! Einen Artikel zum Thema gibt es auf dem Portal zett nachzulesen. Unter dem Motto „Volle Vielfalt Kinderbücher“ hat die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) eine Bücherliste (Bücher und Hörbücher) mit 20 Titeln erarbeitet. Themen wie Diversität, kulturelle Vielfalt und Mehrsprachigkeit waren für die Auswahl entscheidend. Auch wir Spreeautoren machen uns Gedanken um Diversität im Kinder- und Jugendbuch. Eine Titelliste folgt! Ein kleiner Tipp im Vorfeld ist das Buch „Zwei Mamas für Oscar“ von Susanne Scheerer und Annabelle von Sperber.

 

Interview

Die Berliner Autorin (und Spreeautoren-Mitglied) Kirsten Reinhardt hat der Welt ein Interview gegeben.

 

Blogtipp

Wir möchten hier dringend das hervorragende Übersetzerblog TraLaLit empfehlen. Dort gibt es aktuell ein Interview mit Gesa Kunter. Sie wurde 2018 mit dem Jugendliteraturpreis Neue Talente für die Übersetzung des Buches „Schreib, Schreib, schreib!“ ausgezeichnet.

 

Nachruf

Mirjam Pressler, eine der wichtigsten zeitgenössischen Kinder- und Jugendbuchautorinnen ist am 16. Januar gestorben. 1994 wurde sie mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis für das Buch „Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen“ ausgezeichnet.

 

Wettbewerb

Der Wettbewerb um die Schönsten Deutschen Bücher 2019 ist eröffnet. Bis zum 31. März dürfen Titel eingesandt werden. Die Teilnahmebedingungen sind hier.

 

Zum Nachhören

Ein ausführliches Interview mit Andreas Steinhöfel kann man beim Deutschlandfunk nachhören.

 

 

 

Schomburgs Reimomat

© Agnieszka Kosakowska
Schade, dass die meisten Verlage mit Kinderlyrik-Bänden so zögerlich sind. Sammelbände meine ich jetzt, mit den Werken einer Autorin, eines Autors. Gereimte Bilderbuchtexte werden ja gern genommen. Ich freue mich sehr über meine Reim-Bilderbücher,  z.B. „Neu in der Familie: Chamäleon Ottilie“ (Fischer Sauerländer 2017),  „1, 2, 3, so kann es gehn, eben waren es noch zehn“ (Tulipan 2017) und, ganz druckfrisch, „Klaus, wir retten dich, halt aus“, ein gereimtes Weihnachtsabenteuer (arsEdition 2018).
Für weitere Gedichte habe ich ein geniales Vermarktungskonzept entwickelt und teile es gern mit euch:

 

Zukunftspläne

Andrea Schomburg 2018

 

Ein Dichter ist total frustriert,

weil kein Verlag ihn publiziert.

Und der Agent, mit Achselzucken,

sagt: „Lyrik will halt keiner drucken.

Ich tu ja wirklich, was ich kann …“

Der Dichter denkt sich irgendwann:

„Ich find ja doch kein Publikum“,

reimt sich noch eins und bringt sich um.

Nun sagen alle, das ist klar,

wie herrlich er als Dichter war:

Sensibel, einfühlsam, verletzlich

und schlechthin einfach unersetzlich.

Und eines Tages dringt die Klage

natürlich auch bis zum Verlage,

und der Verleger sieht, genial,

sofort das Absatzpotential:

„Der hat sich umgebracht? Ach nee!

Da war doch noch dies Exposé …

Hm, ja – sieht bisschen dünne aus –

Na, ist egal, das bring‘ wir raus.

Und in den Klappentext, da schreibt:

Der Dichter hat sich jüngst entleibt.

Sein Schicksal war bewegt und tragisch,

doch seine Dichtung, die ist magisch!“

Gesagt, getan. Das Buch erscheint,

und alles kauft und liest und weint,

und der Poet erlebt posthum

Erfolg und Glanz und Hype und Ruhm.

 

Dies lehrt: Den Dichter, den man mied,

den druckt man gern, wenn er verschied.

Ihr Dichter, die ihr denkt und schreibt –

plant lieber, wie ihr euch entleibt!

Und wenn ihr auch erst skeptisch guckt:

Was zählt, ist doch, dass man euch druckt!

 

 

 

10 Fragen an unsere SpreeautorInnen: Beate Dölling

© Didier Laget

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Name: Beate Dölling
geboren in:  Osnabrück
seit wann in Berlin: 1982
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1. Was sind die drei Lieblingsbücher deiner Kindheit?

Tom Sawyer und Huckleberry Finn (Mark Twain), Pippi Langstrumpf (Astrid Lindgren), Fortinbras ist entwischt (Eric Malpass).

2.  Wie kam es zu deinem Berufswunsch Autorin – und wie bist du es geworden?

Ich habe mir als Kind schon gern Geschichten ausgedacht, aufgeschrieben und meinen Freundinnen vorgelesen. Ich wollte immer Schriftstellerin werden und habe immer weitergeschrieben, bis ich es geworden bin 🙂

3. Wie sieht dein Arbeitsplatz aus?

Ich habe verschiedene Arbeitsplätze, in Berlin und in Spanien und unterwegs auch. Meine Arbeitstische sind meistens voller Blätter und Bücher und immer mit Zitronen. Mittendrin steht mein Computer.

© Beate Dölling

4. Wann kommen dir die besten Ideen?

Beim Schwimmen.

5. Wie sollen die HeldInnen deiner Kinderbücher vor allem sein?

Selbstbestimmend, klug, voller Ideen, frech, lustig, liebevoll und unternehmungslustig..

6. Träumst du manchmal von deinen Figuren? Und wie heißt deine Lieblingsfigur?

Nur in meinen Tagträumen. Nachts träume ich manchmal neue Geschichten. Eine Lieblingsfigur habe ich nicht. All meine Figuren sind zusammen wie eine große Familie.

7. Wem liest du als Erstes deine Texte vor?

Meiner Tochter Paula und meinem Freund Didier, manchmal auch meinen Lektoren.

8. Machst du Lesungen oder Workshops mit Kindern? Fällt dir dir dazu ein Erlebnis ein?

Lesungen für jedes Alter und Schreibworkshops für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Ich habe so viele verrückte Erlebnisse, dass ich darüber irgendwann mal ein eigenes Buch schreiben werde.

9. Was sollte sich in der Kinderbuchbranche grundlegend verbessern?

Dass die Bücher länger auf dem Markt bleiben und nicht nach ein paar Jahren schon zum „alten Eisen“ gehören oder eben ganz vom Buchmarkt verschwinden. Bestimmte Themen sind ja nach wie vor interessant und lesenswert, auch wenn das Buch schon älter ist.

10. Wie hieß das erste Kinderbuch, das von dir erschien, und was ist deine jüngste Neuerscheinung auf dem Buchmarkt?

Mein erstes Jugendbuch hieß: „Hör auf zu trommeln, Herz“ (Verlag Beltz & Gelberg) und mein erstes Kinderbuch: „Mama verliebt“ (dtv junior).
Meine Neuerscheinung, ein Kinderbuch ab 6 (Januar 2019): „Zwei kleine Wilde in der großen Stadt“, dtv junior.
Coverillustration von Alexandra Junge

Frohes neues Jahr! Mit Verlosung!

Wir Spreeautoren wünschen unseren Lesern ein wunderbares Jahr 2019! Am letzten Spreeautoren Stammtisch des Jahres wird bei uns traditionell immer gewichtelt. Jeder Autor oder Illustrator wirft eines seiner Bücher in den Wichtelsack. Dieses Mal ist ein Wichtelpaket übrig geblieben. Für dich, lieber Leser!

**** Danke für alle Teilnehmer an unserem Gewinnspiel! ****

Um das geheimnisvolle Wichtelbuchgeschenk zu erhalten, gibt es ein kleines Ratespiel:

In dem Buch spielen Tiere eine besondere Rolle… aber welche Tiere könnten das sein?

Sind es …

a) gelbe Welpen?

b) Nacktmulle?

c) Krähen?

Bitte schreibe die Antwort mit deiner Postadresse bis zum 12.01.2019 an spreeautoren@web.de

Das Wichtelgeschenk… was wohl drin ist?

 

Unsere Spreeautoren Weihnachtsfeier im Restaurant Max und Moritz

Veröffentlicht in Allgemein von Katja Spitzer.

Links im Dezember

Christian Friedrich und Cally Stronk, Foto © Julia Sinnhöfer

 

– Weihnachtstipp

Cally Stronk und Christian Friedrich haben ein tolles Weihnachtsbuch mit Minuten-Geschichten geschrieben. Auf dem Blog Tollabea kann man exklusiv die Geschichten „Monsterweihnacht“ und „Der größte Adventskalender der Welt“ lesen. Wer neugierig geworden ist: Das Buch erschien bei Ravensburger, die Illustrationen sind von Pe Grigo.

 

– Tolle Aktion

Lesungen zu gewinnen! Mitgliedsbuchhandlungen des Börsenvereins können bis zum 4. Januar eine von 83 Lesungen mit Kinder- und JugendbuchautorenInnen gewinnen. Die Aktion wird unterstützt von zahlreichen avj-Verlagen. 48 Kinder- und JugendbuchautorInnen sind dabei. Hier gibt es mehr Informationen zu dem tollen Projekt.

 

– Filmtipp

Astrid Lindgren wäre in diesem Jahr 111 Jahre alt geworden. Ein neuer Kinofilm erzählt ihr Leben. Eine schöne Rezension gibt es auf Zeit Online.

 

– Geburtstag

Cornelia Funke ist am 10. Dezember 60 Jahre alt geworden! Beim Deutschlandradio gibt es einen Beitrag zum Nachhören.

 

– Interview

Salah Naoura hat Kinderreportern der Badischen Zeitung ein schönes Interview gegeben.

 

– Zum Nachlesen

Auf Page Online stellt Claudia Gerdes besonders schön gestaltete Kinderbücher vor. Es lohnt sich, mal dort vorbeizuschauen.

 

– Gutes tun

Auf der Plattform Autoren helfen kann man eine Wohnzimmerlesung verschenken. Von uns Spreeautoren sind auch einige Autorinnen dabei: Angela Bernhardt, Lena Hach und Rike Reiniger.

 

– Was Schönes

Die belgische Illustratorin und Autorin Kitty Crowther gewann 2010 den wichtigsten Preis für Kinder- und Jugendliteratur: den Astrid Lindgren Memorial Award. Ihre Geschichten und Bilder sind eigen, teilweise düster und wunderbar. Auf arte gibt es hier einen schönen Film über die Ausnahmekünstlerin.

 

Das Interview: mit Heike Brillmann-Ede, Lektorin und Leseagentin

Die Lektorin und Leseagentin Heike Brillmann-Ede hat den Stammtisch der Spreeautor*innen besucht. Dort haben wir ihr einige Fragen gestellt.

© privat

Spreeautoren: Liebe Heike, du bist seit 25 Jahren Lektorin und hast schon in vielen tollen Verlagen gearbeitet. Vor einigen Jahren hast du eine Leseagentur gegründet. Wie kam es dazu?

HBE: 2013 bin ich nach Berlin gezogen und habe bei Ueberreuter als Programmleiterin gearbeitet. Sechs Monate später wurde der Verlag verkauft und gleich drei Leuten gekündigt, auch mir. Nach diesem kurzen Gastspiel (und aus anderen Gründen) hatte ich erst mal die Nase voll und hab ein Sabbatical eingelegt.

2015 dann die Leseagentur als eine von drei Berufssäulen. Ich bin gleich groß gestartet: hab eine Website in Auftrag gegeben, Briefpapier und Flyer drucken lassen, unendlich viele Adressen (Schulen, Bibliotheken, Lesefeste) angeschrieben (Briefpost!), meine Autor*innen und mich vorgestellt. Dann gab es ein Problem mit der KSK, da das Vermitteln von Lesungen nicht zu den kreativen Berufen gehört. Da ich von der KSK abhängig bin, musste ich umschichten: ca. 20 % Leseagentur, ca. 80% Lektorat und Rezension.

Spreeautoren: Wie ging es weiter mit der Leseagentur?

HBE: Die Leseagentur ist sehr zusammengedampft auf wenige Namen. Weitere Anfragen von Autor*innen kann ich leider nicht annehmen, sonst hätte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich mich nicht genügend kümmern kann.

Für die Agentur hatte ich im Übrigen Patinnen: Sabine Fecke (Stuttgart) und Pia Mortensen (Marschacht bei Hamburg), die mich sehr unterstützt haben. Von Sabine habe ich zudem den Autorenvertrag übernommen. Wir nehmen im Schnitt 20 %/Lesung und für Workshops 10% auf der Basis des Nettohonorars. Bei Lesereisen, die wir anstoßen, aber z.B. von Bibliotheken organisiert werden, reduziert sich das Honorar auf 10%/Lesung.

Spreeautoren: Warum macht ihr eine Unterteilung bei den Prozenten?

HBE: Bei Workshops habe ich das Gefühl, dass noch mehr eigene Arbeit reingesteckt wird. Auch eine Lesung ist anstrengend, ein Workshop von 4 Stunden umso mehr.

Spreeautoren: Ist es nicht praktisch, dass es Leseagenturen gibt, weil dann Schulen genau wissen (auch dank Agentur- Website) welche/n Autor*in sie buchen können, für welche Klasse, mit welchem Buch?

HBE: Ja! Aber es spielt auch eine Rolle, wo die Autor*innen wohnen, ob Fahrt- oder Hotelkosten hinzukommen. Manche Schulen oder Bibliotheken finden es schon schwierig, eine Lesung von 250,- Euro zu stemmen. Oft haben sie keinen Förderverein.

Spreeautoren: Wie machst du das? Bestückst du alle Veranstalter individuell, oder hast du einen Newsletter?

HBE: Nein, ich habe keinen Newsletter. Ich schreibe individuell an (nur noch digital), versende meine Waschzettel, auch mal eine Rezension, ein Interview. Wenn ich für eine neue Autorin eine Lesung akquiriert habe, versuche ich, noch andere Lesungen drumherumzustricken. Dadurch verringern sich die Zusatzkosten/Veranstalter, und auch für die Autorin lohnt es sich mehr.

Spreeautoren: Übernimmst du die Organisation der Reisen und Hotels?

HBE: Nein, das machen die Veranstalter, aber ich erstelle einen Lesevertrag. Darin steht z.B. der Termin und dass bis 4 Wochen vor dem Termin abgesagt werden muss, sonst können Ausfallkosten entstehen. Wenn die Autorin z.B. wegen höherer Gewalt nicht kann, dann versuchen wir natürlich, einen neuen Termin hinzukriegen. Im Lesungsvertrag finden sich alle Adressdetails, die notwendige Technik, das Lesealter, das Honorar. Veranstalter können sich nach der Unterschrift auch direkt an die Autor*in wenden.

Spreeautoren: Eine Leseagentur, die sich richtig trägt, braucht Autor*innen, die viel unterwegs sein können. Wenn man eine Familie hat oder zwischendurch schreibt, fällt man mitunter teilweise aus. Oder?

HBE: Ja, das stimmt. Es ist sicher nicht leicht, von der Leseagentur zu leben; eigentlich betreibt jede von uns eine Mischkalkulation: macht noch Pressearbeit, organisiert städtische Lesefeste vorort, lektoriert Bücher. Reich werden kann man davon nicht.

Spreeautoren: Ist dein Eindruck auch, dass sich die Autor*innen heute viel stärker selber für sich einsetzen müssen?

HBE: Ich hab die Umbruchzeit in den Verlagen erlebt, wo es auf einmal hieß, ab jetzt konzentrieren wir uns auf die sog. Leuchtturmtitel, stecken dort Werbebudget rein, machen für sie Platz in den Vorschauen. Das kommt nicht aus den Lektoraten; Marketing und Vertrieb haben zusehends Mitspracherecht.
D.h. auch, die Lektorate machen das Programm nicht mehr eigenständig. Es wird auf viele Schultern verteilt. Inhaltlich, äußerlich, in der Ausrichtung. Ich kenne noch die Beschränkung auf das gemeinsame Diskutieren der Coverentwürfe mit Marketing, Vertrieb, Presse. Wobei ich die Stimme der Presseabteilung als sehr sinnvoll erlebt habe; die Kolleg*innen lesen manchmal schon im Manuskriptstadium, bringen sich inhaltlich ein. Ihr Blick ist ein anderer, z.T. individueller oder wagemutiger als in den anderen Abteilungen, so meine Erfahrung.

Es gibt inzwischen eine Verschiebung des Kreativpotenzials von den Lektoraten zu denjenigen, die das Buch als „Produkt“ bezeichnen. Es heißt ja heute auch nicht mehr Lektorin, sondern „Produktmanagerin“.

Spreeautoren: Und was würdest du dagegensetzen? Wie soll man als Autor*in/Illustrator*in damit umgehen?

HBE:

Meine Botschaft ist:
Bleib dir treu, hör auf dein Bauchgefühl.

 

Man muss oft Auftragsarbeiten annehmen, Kompromisse schließen. Aber das, wofür das Herz brennt, da kann man sich nicht zu viel reinreden lassen. Denn es geht um das eigene Profil, die Unterscheidbarkeit.

Spreeautoren: Hast du auch die Wahrnehmung, dass es in den großen Verlagen niemanden mehr gibt, der ein richtiges Gefühl hat für die eigentlichen Geschichten der Autor*innen?

HBE: Ich habe letztens mit einer arrivierten Autorin gesprochen; sie hatte zwei Angebote für ihr Jugendbuch und wollte von mir einen Rat haben. Ihr Agent empfahl ihr ausdrücklich den Verlag, der den höheren Vorschuss bot . Der andere Verlag bot eine niedrigere Vorauszahlung, aber mehr Prozente. Ich habe gefragt, wie die Verlage ihren Titel positionieren würden. Gibt es in der Vorschau z.B. eine Doppelseite? Wie will sich der Verlag mittel- bis langfristig engagieren? Das eigene Buch sollte ins Umfeld eines Programmes passen. Sticht ein Titel zu sehr heraus, kann es auch für die Vertreter*innen „draußen“ schwierig werden, weil der Buchhandel einen solchen Titel in solcher Aufmachung vielleicht nicht von diesem Verlag erwartet hat — und ihn in der Vorschau überblättert.

Es gibt ca. 9000 Veröffentlichungen im Kinder- und Jugendbuch. Jährlich. Das ist völlig verrückt. In allen Verlagen, in denen ich bisher gearbeitet habe, hieß es: Der Titelausstoß ist absurd. Es gibt Verlage, die haben schon teure Unternehmensberatungen finanziert. Jeder Titel wurde geprüft, ob er sich amortisiert, denn die Masse amortisiert ja nicht das einzelne Buch. Dann reduzierte man die Titelanzahl und war nach 5 Jahren doch wieder beim gleichen Ausstoß. Der Drang v.a. größerer Verlagen, jede erdenkliche Nische zu besetzen und dabei die Profilschärfe, die Varianz und v.a. den Mut, Neues auszuprobieren, außer Acht lassen, ist seit Jahren zu beobachten.
Dabei gilt: Ein Verlag ist ein Wirtschaftsunternehmen. Dass ich als Lektor*in kalkulieren muss, ist klar. Dafür gibt es Kalkulationsformulare mit ein paar Stellschrauben, an denen ich drehen kann wie Honorar (Vorauszahlung + Prozente), Auflage, Ladenpreis.
Druckpreis, Papier usw. liegen in der Hand der Herstellung, mit der ich als Lektor*in im Gespräch bin.

Spreeautoren: Hast du das Gefühl, das nicht mehr auf die Inhalte, sondern nur noch auf die Zahlen geguckt wird?

HBE: Meine Erfahrung ist, dass das intensive Lektorieren oft in der Freizeit stattfindet.
Es kommt vor, dass z.B. Übersetzungen unlektoriert durchgewunken werden, ein Cover genehmigt wird, ohne dass die Illustrator*in einbezogen wurde.
Die Schnelligkeit hat angezogen, Stellen werden gestrichen. Das „Heer“ der freien Lektor*innen wächst.

© Constanze Guhr

Es sieht aber nicht nur düster aus, es gibt nicht nur Marktbereinigung z.B. durch den Kauf von Verlagen oder Imprints (die dann eingestellt werden). Es gibt auch Verlage, die feiern beherzt und munter Jubiläen.

Es gibt Neugründungen. Hier ein paar Beispiele aus dem Bilder- bis Jugendbuch. Verlage, die jetzt um die 10 Jahre alt sind und ziemlich individuell:
Stuart & Jacoby, Berlin: Sie brennen für das ungewöhnliche Buch.
Einen ganz kleinen, feinen Verlag hat Susanne Rieder in München.
Dort gibt es natürlich Tulipan oder auch Mixtvision.
Aracari, ein Schweizer Verlag. Auch Orell Füssli und atlantis sitzen in der Schweiz.

Es lohnt sich, in Leipzig über die Messe zu gehen und sich die Programme auch der kleinen Verlage anzugucken. Wertvoll ist immer die Buchmesse in Bologna, riesig natürlich weiterhin die Messe in FFM.

Spreeautoren: Was glaubst du, wo es hingeht? Im Moment zittern die Verlage alle und trauen sich wenig.

HBE: Gezittert wird seit Jahren. Die Digitalisierung schreitet voran, Amazon & Co. gräbt das Wasser ab. Verlage erweitern oder reduzieren ihre Programme, besinnen sich auf ihre Stärken, geben deutschsprachigen Autor*innen in Text und Bild vermehrt Chancen.
Andere beleben ihre Klassiker neu. So hat Thienemann in Stuttgart Wieland Freund gebeten, eine Geschichte von Michael Ende fortzusetzen. Und Otfried Preußlers Räuber Hotzenplotz spülte dieses Jahr besonders viel Geld in die Kasse. Das lässt einen Verlag erst mal durchatmen, die Arbeitsplätze sind für eine Zeit gesichert. Zu hoffen ist, dass auch mutigere Projekte finanziert werden.
Ich denke, es ist ein Trugschluss, durch Titelausstoß den Gewinn maximieren zu können. Was man auch weiß. Denn es geht zu Lasten von Profil & Qualität, von Festangestellten & Kreativen. Ich habe erfahren, wie diese Binnenstruktur zwischen Lektor*in und Autor*in (Text + Bild) leidet und auf der Strecke bleibt. Dieses Miteinanderaushecken von Ideen, das Vertrauen, das sich über Jahre aufbaut, die kreative Entwicklung. Unterschätzt wird auch die „Werbung“, die zufriedene Kreative fürs Haus machen — bei ihren Veranstaltungen, in ihren Netzwerken.

Spreeautoren: Kannst du uns noch etwas über die Autorenberatung der Lettrétage erzählen?

HBE: Die Lettrétage in Kreuzberg (www.lettretage.de) baut ein Netzwerk von Berater*innen auf, die zu verschiedensten Bereichen Auskunft geben können: KSK, Agenten, VG Wort, Verlage, Selfpublishing etc. So auch im Kinder- und Jugendbuch.
Sie stellen einen Raum zur Verfügung und buchen einen für den ganzen Tag. Bis zu 8 Termine hintereinander mit einer Pause, pro Termin 45-60 Minuten. Meist liegen die Fragen der Interessierten bereits vor, sodass du dich auf Themen vorbereiten kannst. Doch es gibt auch ganz Spontane. Eine junge Autorin erzählte mir kurz den Plot, dann sagte sie plötzlich: „Jetzt lesen Sie doch mal meine ersten Seiten, ob ich so auf dem richtigen Pfad bin.“ Das hat mich etwas überfordert, aber ich konnte mich nicht drum drücken. Eine komische Situation, denn ich lese sonst ohne Ablenkung und allein. Dann hatte ich aber schnell das Gefühl, die Schreibe passt, die Hauptfigur, die Szenerie. Wir sprachen noch über die Ausformung von Dialogen, wie wichtig der Spannungsbogen ist etc. Ich fand´s anspruchsvoll und prima.

Spreeautoren: Vielen Dank für deinen Besuch.

Heike Brillmann Ede arbeitet als freie Lektorin, Rezensentin und Leseagentin in Berlin. Man findet sie im Netz unter: www.heike-brillmann-ede.de

Bundeskongress Kinderbuch – Das Netzwerk wächst

von Angela Bernhardt

Manche Ideen brauchen Zeit zum Wachsen, andere schlagen sofort ein. Wie die Netzwerkidee. Im Frühjahr 2017 auf der Leipziger Buchmesse gegründet, tagte der Bundeskongress Kinderbuch im Oktober 2018 in Frankfurt schon zum vierten Mal. Was online begann, wollten wir, die deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchautorinnen und -autoren nun auch offline umsetzen: uns in einem eigenen Netzwerk von Angesicht zu Angesicht austauschen. Über alles, was mit unserer Arbeit zusammenhängt. Die Situation des deutschen Buchmarkts zum Beispiel, unsere Zusammenarbeit mit Verlagen und Agenturen, Vorschüsse, Lesungshonorare, die Klippen der Freiberuflichkeit, Erfolge und Misserfolge und vieles mehr. Jede/r deutschsprachige Autor/in, die/der mindestens ein eigenständiges Kinder- oder Jugendbuch in einem bei der avj gelisteten Verlag veröffentlicht hat, ist uns willkommen und auf unserer Website www.bundeskongress-kinderbuch.de vertreten. Über 170 Autorinnen und Autoren sind wir inzwischen schon, und es werden immer mehr.

Doch wir kochen nicht im eigenen Saft. Nachdem wir im Frühjahr in Leipzig Vertreterinnen und Vertreter deutschsprachiger Kinderbuchverlage eingeladen hatten, sich mit uns auszutauschen und viele von ihnen der Einladung auch gefolgt sind, war diesmal der Unternehmensberater Ehrhardt Heinold bei uns zu Gast. Über die Zukunft des Lesens, des Schreibens und des Buchhandelsmarkts ist sicher selten in kurzer Zeit so informativ berichtet worden wie von ihm.

Seine Analyse der aktuellen Situation: Die Konkurrenz für das gedruckte Buch durch neue Medien ist gewachsen, denn das Mehrangebot an Geschichten (zum Beispiel Stichwort Netflixserien) verknappt die für das einzelne Medium verfügbare Zeit.

Und doch wird auf dem Kinderbuchmarkt nach wie vor stark auf Masse gesetzt. Über 9.000 deutschsprachige Kinder- und Jugendbuchtitel bringen die Verlage jährlich auf den Markt, wohl wissend, dass ein Großteil davon sehr schnell wieder in der Versenkung verschwindet. Das Marketing konzentriert sich immer stärker auf einzelne Spitzentitel, der Rest wird dementsprechend im Buchhandel kaum wahrgenommen. Nur kleine, inhabergeführte Buchhandlungen mit eigenem Konzept steuern dagegen, aber ihre Zahl ist in den letzten fünf Jahren um etwa 2.000 geschrumpft. Was wächst, sind die großen Ketten. So machen 10 % der Buchhandlungen zwei Drittel des gesamten Umsatzes. Erstaunlicherweise ist dieser Umsatz in den letzten 15 Jahren weitgehend stabil geblieben. Der Grund sind allerdings nicht mehr Buchverkäufe sondern gestiegene Buchpreise.

Über 7 Millionen Buchkäufer weniger gibt es seit 2012, und dabei liegen die stärksten Einbrüche interessanterweise nicht bei der Jugend, sondern bei den 30- bis 50-jährigen, das heißt bei den Eltern der Kinder, die lesen sollen. Das gesamte Medienzeitbudget der Bevölkerung ist seit Jahren relativ konstant, aber die Mediennutzung hat sich stark zugunsten von Smartphone, Gamesmarkt und Homevideo verändert.

Heinolds hoffnungsvolles Fazit: Das Buch als Medium mag sich im Abwärtstrend befinden, das Geschichtenerzählen und damit auch die Erzähler/innen werden jedoch immer gebraucht, weil sie ein menschliches Grundbedürfnis erfüllen.

Die Frage ist künftig also verstärkt, wie, in welcher Form und auf welchen Wegen wollen wir unsere Geschichten veröffentlichen? Wir sind diejenigen, die mit zahlreichen Lesungen übers ganze Jahr am dichtesten dran sind an unserem Publikum. Nutzen wir diese Chance und unser Netzwerk, um auf diese zentrale Frage kreative, zeitgemäße Antworten zu finden.

Ein weiterer wichtiger Programmpunkt des 4. Bundeskongresses waren die Berichte aus den regionalen Kinderbuchnetzwerken in Köln, München, Hamburg, Hessen, Oberfranken und Berlin. Mit originellen Ideen und Veranstaltungen treiben engagierte Kolleginnen und Kollegen den Netzwerkgedanken innerhalb der gesamten Branche auch auf dieser Ebene voran.

Was wir von diesem intensiven Treffen noch mitgenommen haben, sind Buttons mit der Aufschrift „Kinderbuchautor/in für Vielfalt und Toleranz“. Wir haben sie auf der Buchmesse getragen und tragen sie weiter bei Lesungen und anderen Veranstaltungen, um auch gesellschaftspolitisch Flagge zu zeigen.

Ab 2019 tagt der Bundeskongress nur noch einmal jährlich während der Frankfurter Buchmesse. Bis dahin werden wir uns austauschen, neue Kontakte knüpfen, Pläne schmieden, Aktionen realisieren, vorlesen und natürlich weiter schreiben. Fest steht: Wir sind viele, wir haben Power, wir unterstützen uns gegenseitig und wir denken nach vorn!